Schule & Bildung

«Was ich nötig hatte, waren Lehrer»

Das ist wohl die Gretchenfrage: das Wirken der Person in der Institution Schule.
Von Carl Bossard*,
Schuljahresschluss ist immer auch Abschied von Lehrerinnen und Lehrern. Wie haben sie im Alltag gewirkt? Ihr persönliches Denken und Schüleraussagen verraten entscheidende Gelingensbedingungen der Praxis.

"Was hinterlasse ich?“, fragt ein Lehrer, der in Pension geht. 40 Jahre lang hat er an der gleichen Institution mit Leib und Seele gewirkt hat. Das ist heute nichts Selbstverständliches mehr. Falsche Anschmiegsamkeit und geländegängige Anpassung waren seine Sache nicht. Wer ihm gegenübertrat, spürte eine gewisse Strenge, empfand etwas Forderndes.

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«Lernen ist ein zutiefst zwischenmenschliches Geschehen»

«Online-Schule ist langweilig, und allein vor dem Bildschirm ist doof»
von Dr. phil. Alfred Burger, Erziehungswissenschaftler
Schon vieles ist über die angeblichen Vorteile des digitalen Lernens in den Schulen geschrieben worden. Nicht wenige erhoffen sich nun, dass nach der Corona-Zeit die Schulen nun endlich ins digitale Zeitalter hinüberschwenken werden. Die Zeitungen sind denn auch voll guter Erfahrungsberichte von Lehrern und Eltern mit dem durch das Virus erzwungenen digitalen Lernen. Was in den Medien steht, ist das eine, was aber Kinder und Eltern mit dem digitalen Lernen erleben, ist etwas anderes.

Nach anfänglicher Begeisterung verlangen die meisten die «reale Schule» zurück, weil sie finden, «online Schule ist langweilig und allein vor dem Bildschirm ist doof». Viele beklagen den Mangel an Kontakt mit den Gleichaltrigen, Eltern und auch Lehrerinnen und Lehrer bemängeln die mangelnde Effizienz beim Lernen. Bei diesen Kritiken sollte man meines Erachtens auch ansetzen, wenn es um die Beurteilung von Lernen mit elektronischen Medien geht. Die Befürworter des digitalen Lernens betonen immer wieder, wie wichtig der soziale Kontakt ist, was an sich ein Widerspruch ist. Kinder, die in den sogenannten Lernlandschaften stundenlang in ihrem Verschlag vor dem Bildschirm sitzen, sind logischerweise kaum in direktem Kontakt mit ihren Mitschülern und mit dem Lehrer. Aus der Forschung weiss man heute ganz genau, dass ein Bildschirm den lebendigen Menschen als Gegenüber nicht ersetzen kann. 

Gemeinsames Lernen  – ein soziales Ereignis

Lernen ist ein zwischenmenschlicher Vorgang vom ersten Atemzug des Lebens an. Alles Lernen des kleinen Kindes ist ausgerichtet auf die Eltern und weitet sich später auf andere Beziehungspersonen aus. Ohne den zwischenmenschlichen Bezug findet vor allem bei kleinen Kindern gar kein Lernen statt. So entwickelt sich die Sprache, eine der gewaltigsten Lernleistungen eines Kindes, nur im Miteinander mit anderen Menschen. Kinder, die wenig oder falsche Zuwendung und Anleitung erfahren haben, haben darum oft sprachliche Schwierigkeiten. Je älter ein Kind wird, desto unabhängiger wird es von Lehrerinnen und Lehrern, und es kann selbständiger lernen. Dass Lernen aber das ganze Leben hindurch ein zutiefst zwischenmenschliches Geschehen ist, zeigt sich auch bei Erwachsenen. So lernen Studenten lieber und besser, wenn sie in Beziehung mit einer Professorin oder einem Professor oder mit anderen Studierenden sind.

Spätestens jetzt stellt sich die Frage, warum eigentlich digitales Lernen oder E-Learning so gut und erstrebenswert sein soll. Ist doch gemeinsames Lernen vom Kindergarten bis in die Hochschule und darüber hinaus vor allem auch ein soziales, gesellschaftliches Ereignis! Es macht doch Freude und gibt Genugtuung, wenn man andere trifft, sich mit ihnen austauscht und zusammen etwas erarbeitet. Die gemeinsame Bewältigung von Lernstoff, von Forschungsaufgaben und von Arbeiten macht doch einen wichtigen Teil des Sinns des Lebens aus. Im Extremfall müssten viele zu Hause alleine hinter dem Computer sitzen und im Homeoffice arbeiten. Dabei weiss man es heute aus Studien ganz genau: Jede Stunde hinter dem Bildschirm entfernt einen ein ganz wenig von den anderen Menschen und macht einen innerlich ein wenig einsamer.¹ 

Lehrer durch Computer ersetzen  – wozu?

Warum sollen jetzt Lehrerinnen und Lehrer und Professoren durch den Computer ersetzt werden? Allein wegen finanzieller Gründe? Und da machen nun plötzlich viele begeistert mit und wollen das digitale Lernen? Die Handhabung des Computers, der Vorgang des Recherchierens, die Anwendung von Programmen usw. lernt ein gebildeter Mensch doch im Handumdrehen. Wer sich heute darin auskennt, hat es auch nicht in der Schule gelernt, sondern später. Warum dürfen unsere Kinder nun die realen sozialen Erfahrungen beim gemeinsamen Lernen nicht mehr machen? Warum soll jeder individualisiert hinter seinem Bildschirm sitzen, statt sich direkt mit Kolleginnen und Kollegen auseinanderzusetzen?

Andreas Schleicher, Physiker und Bildungsforscher bei der OECD, hat vor Jahren noch vor der Einführung von Computern in den Schulen gewarnt. Heute verkündet er, wie positiv sich die Digitalisierung auf die Schulen und die Schüler auswirken würde, sie würden selbständiger. Selbständig und unabhängig wird der Mensch aber vor allem, wenn er Erwachsene hat, an denen er sich reiben und reifen und eine eigene Meinung entwickeln kann. Am Computer wird er mit vorgegebenen, starren Programmen durch das Lernen geführt, die ihn stromlinienförmig und langweilig machen. Es gibt denn auch keinen autoritäreren Lehrer als den Computer. Cui bono? 

¹ vgl. Manfred Spitzer: Einsamkeit. München 2018

Quelle: https://www.zeitgeschehen-im-fokus.ch/de/newspaper-ausgabe/nr-5-vom-15-april-2020.html#article_1033

Psychologie, Pädagogik, Schule & Bildung

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Ein Brief, den jeder lesen sollte

Der Rektor einer Mailänder Schule schreibt seinen Schülern einen Brief. Und vergleicht die heutige Situation mit der Pestwelle des 17. Jahrhunderts.
Von Michèle Binswanger
Tages-Anzeiger vom 05.03.2020
Aussergewöhnliche Zeiten erfordern aussergewöhnliche Massnahmen, das ist eine in jüngster Zeit oft gehörte Maxime. In Italien herrscht wegen des Coronavirus seit Wochen der Ausnahmezustand, das Leben scheint gerade in den norditalienischen Städten fast zum Erliegen gekommen zu sein. Auch in Mailand wurden die Schulen bis auf Weiteres geschlossen.

Menschen reagieren immer ähnlich

Zu einer solchen Massnahme sah sich deswegen auch Domenico Squillace angehalten, Leiter des staatlichen wissenschaftlichen Gymnasiums «Alessandro Volta» in Mailand. Der studierte Philosoph und Historiker schrieb seinen Schülern deswegen einen Brief, in dem er die Dramatik der Situation einzuordnen versucht und an die Vernunft der Schüler appelliert

Domenico Squillace.

Die Lage sei nicht zu unterschätzen, schreibt der 63-Jährige, denn «Schulen sind Einrichtungen, deren Rhythmen und Riten den Verlauf der Zeit und den geordneten Ablauf des Zivillebens anzeigen». Deren zwangsweise Schliessung zeige deshalb tatsächlich eine Ausnahmesituation an.

Er könne nicht beurteilen, ob diese Massnahme angemessen sei, schreibt der Rektor. Aber wenn es sie schon gebe, solle man daraus lernen. Denn so aussergewöhnlich unsere heutige Zeit scheinen mag  – Seuchen haben die Menschen immer wieder heimgesucht. Und wenn es in der Geschichte eine Konstante gibt, dann die, dass Menschen auf ähnliche Bedrohungen ähnlich reagieren.

Psychologie, Schule & Bildung, Corona

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Für jede Untat lassen sich Gründe finden

George Orwell hat sich schon früh mit Fake News und Filterblasen beschäftigt. Sein hellsichtiger Essay «Notes on Nationalism» erscheint nun erstmals auf Deutsch.
Von Guido Kalberer
Tages-Anzeiger v. 25. Januar 2020
«Man hat keine Möglichkeit, die Fakten zu verifizieren, man ist sich nicht einmal wirklich sicher, ob gewisse Dinge sich tatsächlich zugetragen haben, und man ist stets mit völlig unterschiedlichen Interpretationen aus unterschiedlichen Quellen konfrontiert.» Diese Sätze, die sich wie eine zeitgenössische Analyse von Fake News anhören, wurden im Mai 1945 von George Orwell verfasst. Dies machen die Beispiele, die der Autor anführt, deutlich: «Was stimmt an der Berichterstattung zum Warschauer Aufstand vom August 1944 und was nicht? Gab es die deutschen Gaskammern in Polen wirklich? Wer war tatsächlich für die Hungersnot in Bengalen verantwortlich?»

Diese und andere hellsichtige Passagen über verfälschende oder lückenhafte Nachrichten finden sich im Essay «Notes on Nationalism», der jetzt erstmals unter dem Titel «Über Nationalismus» in deutscher Sprache ­erscheint. Der englische Schriftsteller George Orwell (1903 –1950), bekannt für seine Kritik an jeder Form von Totalitarismus, sei er nun von linken oder rechten Ideologien gespeist, hat auf wenigen Seiten die Gefahren ­aufgeführt, die von einem in sich geschlossenen und sich selbst bestätigenden Weltbild ausgehen.

Unerschütterlich im Recht

Mit Nationalismus meint Orwell eine bestimmte Geisteshaltung, die sich in so unterschiedlichen Theorien und Bewegungen wie dem Kommunismus oder dem Zionismus, dem Antisemitismus oder dem Pazifismus äussert. Der Nationalist, «unerschütterlich sicher, im Recht zu sein», teilt die Welt in Gut und Böse, in Gewinner und Verlierer ein. Es geht um den Triumph seiner Sicht der Dinge und die Abwertung der anderen.

Die hauptsächliche Form des Nationalismus  – zumindest bei der englischen Intelligenzija  – erkennt George Orwell im Kommunismus; und die grösste Gefahr, die von einem so verstandenen Nationalismus ausgehe, bestehe im Verlust von Realitätssinn und Realitätsbezug, sobald die Fakten nicht mehr in das Weltbild passten.

Die Ausblendung von Tatsachen, die von der Ideologie abweichen oder ihr gar widersprechen, führt nach George Orwell zur Bildung von Blasen. «Befördert wird die Gleichgültigkeit gegenüber objektiver Wahrheit dadurch, dass ein Teil der Welt vom anderen abgeschottet ist, was es immer schwerer macht herauszufinden, was tatsächlich geschieht.» Ob bestimmte historische Taten verwerflich waren, ja ob sie sich überhaupt zugetragen haben, das sei wesentlich abhängig von den politischen Vorlieben.

Politik vor Moral

Während der kurzweiligen Lektüre des präzise argumentierenden Buchs vergisst man beinahe, dass es sich dabei um einen vor über 70 Jahren verfassten ­Essay handelt  – wären da nicht immer mal wieder Hinweise auf Schriftsteller, deren Namen uns heute kaum noch geläufig sind. Wie die dystopischen Romane «Animal Farm» (1945) oder «1984» (1949) ist «Über Nationalismus» aktueller denn je.

«Hegt man irgendwo im eigenen Kopf eine nationalistische Bindung oder nationalistischen Hass, werden bestimmte Fakten, von denen man eigentlich weiss, dass sie stimmen, nicht zugelassen.» Dieser weitverbreitete Hang zur Ausblendung unliebsamer Tatsachen kann so weit gehen, dass Unvorstellbares möglich wird: «Es gibt absolut kein Verbrechen, das sich nicht entschuldigen lässt, wenn ‹unsere› Seite es begeht.» So sollte die Diktatur des Proletariats nach Karl Marx den Weg zur klassenlosen Gesellschaft ebnen. Dabei war die Beseitigung von Gegnern für Kommunisten keine moralische Frage; es ging um die Erreichung eines politischen Zweckes.

Orwell war, wie der Philosoph Isaiah Berlin, überzeugt, dassdas Individuum seinen inneren Kompass verliert, wenn es sich den Ismen-Ideologien ausliefert. Denn wenn das Selbst- und das Weltbild deckungsgleich werden, dann meistens zulasten des Selbst.

So mordeten Nationalsozialisten massenhaft, überzeugt von ihrer rassistischen Gesinnung, deren Grausamkeit keine Grenzen kannte. Der Einzelne hat, so die spätere Rechtfertigung, bloss das ausgeführt, was zu tun war. Die Frage, ob das gut oder böse war, stellt sich nicht in einem System, das immun ist gegen solche grundsätzlichen Fragen.

Überhöhung des Selbst

Weil er um die Verführbarkeit des Menschen wusste, warnte George Orwell zeitlebens vor solchen Entwicklungen. Auch wenn man an den zivilisatorischen Fortschritt glaubt, besteht kein Grund zur Annahme, dass sich an der anthropologischen Anlage etwas ändert. Im Gegenteil: Man muss stets damit rechnen, dass es einer neuen Ideologie wieder gelingen könnte, die nach Sinn dürstenden Einzelnen für sich zu gewinnen. Wer das Büchlein «Über Nationalismus» liest, fühlt sich besser gewappnet gegen solche Vereinnahmungen.

Wieso gibt es den Wunsch, sich einer Bewegung anzuschliessen? Um dies zu beantworten, führt George Orwell psychologische Motive ins Feld. Der Nationalist lebe in dem Bewusstsein, «einer Sache zu dienen, die grösser ist als er selbst». Dadurch, dass er Anhänger einer Ideologie wird, kann er sein Selbst in den Dienst einer Mission stellen und so sein Ich überhöhen.

Die Lücke, die der massive Bedeutungsverlust der Religionen in der westlichen Hemisphäre hinterlassen hat, wurde in den Augen George Orwells im 19. und 20. Jahrhundert von politischen Ideologien gefüllt  – mit Folgen, die bis heute spürbar sind.

Erstellt: 24.01.2020, 19:45 Uhr
Quelle: https://www.tagesanzeiger.ch/kultur/buecher/fuer-jede-untat-lassen-sich-gruende-finden/story/16579246

Orwell Über Nationalismus

»Patriotismus ist von Natur aus defensiv, militärisch wie kulturell. Der Nationalismus hingegen ist untrennbar mit dem Streben nach Macht verbunden.« George Orwell

Worin unterscheiden sich Patriotismus und Nationalismus? Und was kennzeichnet nationalistisches Denken? Dieser 1945 verfasste Essay erscheint erstmals auf Deutsch und zeigt George Orwell als Ideologiekritiker. Inwieweit er außerdem zum Verständnis derzeitiger kulturkämpferischer Auseinandersetzungen beiträgt, erläutert das Nachwort von Armin Nassehi.

»Die Liebe vom Menschen auf die Nation umzulenken, ist ein übler Trick. Orwell hat das früh durchschaut.« Michael Köhlmeier

Psychologie, Bücher, Nationalsozialismus, Schule & Bildung, Rassismus

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Im Bann der Bildschirme - Erziehung zur Medienmündigkeit

„Kinder, Kinder! Erziehungsfragen und pädagogische Herausforderungen der Gegenwart“.
Vortrag von Prof. Dr. Paula Bleckmann*

Prof Dr. Paula Bleckmann hielt am 21. Juni 2016 den 12. Vortrag zur Ringvorlesung „Kinder, Kinder! Erziehungsfragen und pädagogische Herausforderungen der Gegenwart“.
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Buchempfehlung: Medienmündig - Wie unsere Kinder selbstbestimmt mit dem Bildschirm umgehen lernen

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Vom pädagogischen Wert der Zuversicht

Die Welt als gigantischer Problemberg! Diesen Eindruck erhält, wer momentane Publikationen und schulische Lehrpläne liest. Gerade darum braucht es Zuversicht.
von Carl Bossard
Zeit-Fragen Nr. 14 v. 18. Juni 2019
Wer mit Kindern unterwegs ist, wer Jugendliche auf ihrem Lern- und Lebensweg begleitet, der muss ein Geschwisterpaar an seiner Hand führen: die Zuversicht auf der einen und den Optimismus auf der anderen Seite. Nicht den blinden Optimismus und nicht die naive, illusionäre Zuversicht mit dem schnell zitierten positiven Denken. Auch nicht der kitschige Blick durch die rosarote Brille. Nein, es ist das Aufklärungsvertrauen, die Zuversicht als menschliche Grundhaltung  – für junge Menschen eine Art mentaler Lebensversicherung und damit grundlegender Treibstoff des Lebens. Seelische Ressourcen leben von dieser Antriebsenergie der Zuversicht.

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Eine Ex-Lehrerin packt aus

Chaotische Zustände, komplizierte Bürokratie und keine Zeit für persönliche Entwicklungen. Eine ehemalige Primarlehrerin rechnet in ihrem Buch mit dem Schweizerischen Schulsystem knallhart ab.
20Minuten 29. 4. 2019
Die Buchautorin und ehemalige Lehrerin Andrea Stadler setzt sich für ein neues Schulsystem ein. Aktuelle Unterrichtsmethoden und Lehrpläne seien erfolglos und würden sowohl Lehrern als auch Schülern das Leben schwer machen. Im Interview erzählt die 34-jährige Zürcherin von ihren Erfahrungen und Ansichten.

Schule & Bildung

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Sprachen wandeln sich immer – aber nie in Richtung Unfug

Hat der Mensch das Schultergelenk erfunden? Natürlich nicht. Und genauso wenig wie sein Knochengestell hat er sich die Grammatik seiner Sprachen ausgedacht. Verfechter der gendergerechten Sprache, die heute ins System eingreifen, begehen aus linguistischer Sicht ein paar fundamentale Denkfehler.
Von Josef Bayer, emeritierter Professor für allgemeine und germanistische Linguistik an der Universität Konstanz
NZZ 10.4.2019, 05:30 Uhr
Lange war die Linguistik ein in der Öffentlichkeit wenig beachtetes Fach. Ihre Themen und Inhalte waren den meisten Menschen reichlich egal. Das ändert sich seit einiger Zeit, allerdings nicht immer zum Wohle des Fachs. Ein Höhepunkt ist jedes Jahr die Verkündigung des «Wortes des Jahres» und des «Unwortes des Jahres», bei der immer auch mitgeteilt wird, welche Sprachwissenschafter die Auswahl vorgenommen haben. Inzwischen kommt es aber noch schlimmer. Sprachwissenschafter und vor allem Sprachwissenschafterinnen werden für die Eingriffe in die Sprache verantwortlich gemacht, die sich allenthalben im Rahmen der Forderung nach sprachlicher Gleichstellung von Männern und Frauen zeigen. Es geht um die sogenannte Gendersprache, die eigentlich gendergerechte Sprache heissen sollte.

Weiterlesen: https://www.nzz.ch/feuilleton/die-geschlechtergerechte-sprache-macht-linguistische-denkfehler-ld.1472991
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Lesen Sie auch das Buch von Thomas Kubelik

“Genug gegendert”  – Eine Kritik der feministischen Sprache

Gendern nervt. Gendern macht guten Stil unmöglich. Trotzdem setzt sich die Frauensprache immer mehr durch: in Schulbüchern, an Universitäten, in Gesetzestexten, in den Medien. All das im Namen der Gleichberechtigung. Doch fördert Gendern wirklich die Frauenemanzipation? Welche Ziele verfolgen die Verfechter der Frauensprache wirklich? Und wie überzeugend sind ihre Argumente? Thomas Kubelik beleuchtet in seinem virtuos geschriebenen Essay die Ürsprünge der feministischen Sprachkritik und entkräftet mit zahlreichen, wissenschaftlich fundierten Argumenten deren Behauptungen. Ein leidenschaftliches Plädoyer für ein gutes und klares Deutsch. Voller griffiger Argumente und abschreckender Beispiele. Ein längst überfälliges Buch. Ein Muss für alle, die genug vom Gendern haben!

 

 

 

 

Schule & Bildung, Hirnforschung

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Frau mit Klasse

Eine Primarlehrerin erzählt, wie es ist, zu unterrichten. Und warum sie es trotz allem liebt.
Das Magazin N°9– 2. März 2019

«Dann schauen mich zweiundzwanzig Augenpaare voller Erwartung an, und ich spüre wieder, warum ich diesen Beruf gewählt habe.»

Dass ich Lehrerin werden will, wusste ich, noch bevor ich wusste, wie ich eine gute Schülerin werde. Da war ich etwa zehn. Mir gefiel die Vorstellung, eine Horde Kinder auf einem Abschnitt ihres Lebens zu begleiten. Ihnen Wissen zu vermitteln, das sie zu selbstständigen, kritisch denkenden und toleranten Mitmenschen macht. Anders gesagt: Ich wollte die Welt ein bisschen besser machen.

Schweiz, Pädagogik, Lehrplan 21/PISA, Bildungswesen, schulreformen

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Probezeit Vater

Letztes Jahr berichtete uns ein Vater aus Zürich, wie die Gymiprüfung seiner Tochter die ganze Familie in Mitleidenschaft zog. Nun erzählt er von den Strapazen der Probezeit am Gymnasium.
Von Paula Scheidt
Das Magazin N°6– 9. Februar 2019
Am 26. März letzten Jahres kamen die Resultate der Gymiprüfung. Als ich vom Joggen zurückkehrte, traf ich die Mutter eines Mädchens aus dem Quartier. Sie fragte: «Und? Belagerst du auch schon den Briefkasten?» Vorm Haus fischte ich das Kuvert aus dem Schlitz, riss es auf und las: «Wir freuen uns, Ihnen mitteilen zu dürfen  …»

Erziehung, Bildungsreform, Pädagogik, Lehrplan 21/PISA, Schule & Bildung

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Knistern im Klassenzimmer

Nur wer Leidenschaft spürt, kann Leidenschaft vermitteln — das gilt in der Schule wie im Leben.
von Carl Bossard
Rubikon 05. 02. 2019
Unterricht lebt davon, dass Menschen zu Menschen sprechen und eigene Gedankenprozesse in ihnen auslösen. Das Digitale hat darum in Schulen seine Grenzen, so wichtig die neuen Medien sind. Menschlichkeit und soziale Fähigkeiten sollten wichtiger sein als Technik. Ein leidenschaftliches Plädoyer des Schweizer Pädagogen Carl Bossard für die Kunst der Pädagogik.

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Die 24 Flugzeugtypen des Dämons

Indien Wie Hindu-Nationalisten die seriöse Forschung bedrohen.
Von Arne Perras, Singapur - Süddeutsche Zeitung
Tages-Anzeiger, 2019-01-12
Als Narendra Modi ans Rednerpult trat, um den 106. «Indian Science Congress» zu eröffnen, lobte der Premier den Forscherdrang der Jugend. Er machte deutlich, wie wichtig wissenschaftlicher Ehrgeiz sei, um das Land voranzubringen. Doch es dauerte nur wenige Stunden, bis sich die Tagung in eine Lachnummer verwandelte. Seriöse Forscher waren sprachlos, als sie hörten, was zwei Kollegen dort auf der Bühne im Namen der Wissenschaft zum Besten gaben.

Psychologie, Diskussionskultur, Indien, Ideologie, Wissenschaft, Schule & Bildung, Religion

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Kampf um die Köpfe im Klassenzimmer

Private ICT-Firmen und internationale Technologiekonzerne drängen in die öffentliche Bildung. Swisscom und IBM bieten Unterricht an und gestalten Elternabende. Das führt zu Fragen.
Von Carl Bossard, 12.12.2018
Journal21 vom 10. Januar 2018
„Jetzt habe ich begriffen, was ein Sandstein ist“, strahlte eine Gymnasiastin mit rotem Kopf und schmutzigen Händen. Der spontane Ausruf zeigt eines: Der Verstand geht auch durch die Hände, oder wie es der Pädagoge und Pestalozzi-Schüler Friedrich Fröbel formuliert hat: vom Greifen (der Hand) zum Begreifen (des Kopfes)  – ein klassischer didaktischer Grundsatz. Die Schülerin bearbeitete einen Stein zum Thema „Erde im Feuer“. Angesagt waren Projekttage mit dem Motiv „Die vier Elemente: Erde –Feuer –Wasser –Luft“.

Carl Bossard
Realität vor Virtualität

Pädagogik, Schule & Bildung, Digitalisierung

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