Texte und Dokumente zum geplanten US/NATO-Angriff auf Syrien

Texte und Dokumente zum geplanten US/NATO-Angriff auf Syrien 

eingesandt von Martin Zeis

die ZDF-Nachrichtenredaktion hat nach Lektüre des von Elke Schenk heute Morgen geposteten Tagesanzeiger-Artikels im  ZDF-Spezial zu Syrien (27.08.2013  – 19.20  – 19.35 Uhr)  Prof. Günter MEYER, Leiter des Zentrums für Forschung zur Arabischen Welt (ZEFAW) an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz, ausführlich zu Wort mit folgenden zentralen Punkten zu Wort kommen lassen:

  • der Chemiewaffeneinsatz gegen die Bevölkerung in Damaskus kommt mit höchster Wahrscheinlichkeit von den bewaffneten „Rebellen“-Gruppen; das Assad-Regime beginge Selbstmord, hätte es diesen Einsatz lanciert.
  • die Behauptungen der US-Regierung, ihr lägen geheimdienstlich erlangte Beweise vor, der Giftgaseinsatz sei von der Assad-Regierung veranlasst worden, habe propagandistischen Charakter, vergleichbar mit den Massenvernichtungswaffen-Beweisen vor dem Angriffskrieg gegen den Irak 2003. Man werde substanzielle Beweise in der Zukunft nicht sehen; im Übrigen könne heutzutage auf diesem Sektor alles gefälscht werden.
  • die USA/GB ... wollten in Kürze einen mehrtätigen Luftmilitärschlag gegen Syrien  – egal, was die UNO-Inspektoren zu Tage fördern und ohne jeden Bezug zu UN/Völkerrecht   – führen, um die Assad-Regierung zu schwächen, indem die syrische Luftwaffe, Luftabwehrstellungen/-kräfte, Kommandostrukturen (Gebäude, Infrastruktur ...), Waffendepots, Regierungsgebäude u.ä.m. per Cruise Missiles und Luftbombardements zerstört werden.
  • allerdings sei ein Flächenbrand (regionaler Krieg) dabei nicht auszuschließen.

Im Folgenden dokumentiere ich einige Texte aus jüngerer Zeit zur obigen Thematik; der gesamte Mailtext  ist auch als pdf-Datei im Anhang verfügbar. / m.z.

1.

Florian Rötzer, telepolis 27.08.2013

Angriff auf Syrien schon am Donnerstag?

Auch die islamistischen Kämpfer scheinen damit zu rechnen, neben militärischen Einrichtungen des Assad-Regimes zu Zielen der Angriffe werden zu können

Alles deutet daraufhin, dass es Amerikaner und Briten sehr eilig haben, gegen das Assad-Regime militärisch vorzugehen. Wenn man zu lange Zeit verstreichen lässt, so wohl das Kalkül, schwindet der sowieso schon geringe Rückhalt der Bevölkerung weiter und geraten die Bilder des Giftgasangriffs in Vergessenheit (Amerikaner und Briten sind mehrheitlich gegen eine militärische Intervention in Syrien) Der britische Regierungschef Cameron wird am Donnerstag das Parlament befragen, was heißen könnte, dass unmittelbar danach erste Luftangriffe erfolgen könnten. Die britischen Truppen bereiten sich auf einen Einsatz vor. NBC haben angeblich US-Regierungsmitarbeiter bestätigt, dass ein Angriff bereits am Donnerstag erfolgen und drei Tage lang dauern könnte.

Dazu passt, dass US-Verteidigungsminister Hagel gegenüber BBC erklärte, die US-Truppen seien jederzeit einsatzbereit, wenn US-Präsident Obama den Angriffsbefehl gibt. Während die italienische Regierung, die unter Berlusconi beim Libyen-Einsatz noch aktiv mitgewirkt hat, nun ein UN-Mandat fordert, hat die griechische Regierung schnell ein Gesuch des Pentagon gestattet, so dass nun Flugzeuge und Kriegsschiffe passieren und die Luftwaffenstützpunkte in Souda (Kreta) und Kalamata (Peleponnes) für Angriffe benutzt werden können.

Hagel sagte auch, dass die von den UN-Inspektoren gesammelten Informationen belegen würden, dass der Giftgasangriff von der syrischen Regierung ausgegangen ist. Die UN-Inspektoren haben allerdings nicht den Auftrag zu bestimmen, wer für den Angriff verantwortlich ist, sondern lediglich, ob chemische Waffen eingesetzt wurden. Hagel meinte, man werde auf die Ergebnisse warten.

Das syrische Regime macht die Rebellen, vor allem ausländische Gruppen für den Giftgasanschlag verantwortlich. Ausschließen kann man dies nicht. Nach BBC würden jedenfalls Gruppen, die mit der islamistischen Nusra-Front verbunden sind, davor warnen, dass es auch auf sie Angriffe geben könnte. Es wird geraten, sich nicht in größerer Anzahl zu treffen und neue Wege und Aufenthaltsorte zu wählen. Unabhängig davon, ob tatsächlich Islamisten hinter dem Chemiewaffeneinsatz stehen, könnten Amerikaner und Briten parallel zu den Luftschlägen gegen militärische Einrichtungen des Assad-Regimes auch Lager der islamistischen Kämpfer bombardieren, um diese zu schwächen. Schließlich hielten sich die Regierung auch deswegen mit der Bewaffnung der Aufständischen zurück, damit nicht den Islamisten die Waffen in die Hände fallen, die sie dann gegen den Westen und vor allem gegen Israel richten könnten.

Israel wird nicht direkt an einem Angriff gegen Syrien teilnehmen, drängt aber zu einer Intervention, da man nicht zusehen könne, wenn 100 km von Israel entfernt Menschen "vergast" würden. Reine israelische Delegation hält sich gerade in Washington auf, um mit Susan Rice, der Sicherheitsberaterin des Weißen Hauses, zu beraten. Nach israelischen Medien würden Geheimdienstinformationen Israels eine entscheidende Rolle bei der Beurteilung der Lage und des Giftgasangriffs spielen. Der israelische Geheimdienst soll Kommunikation von syrischen Truppen abgehört haben, die in den Giftgasangriff verwickelt waren.

Quelle:
www.heise.de/tp/blogs/8/154846

2.

Die in Kanada basierte Website  www.globalresearch.ca  veröffentlichte am 26.08.2013 einen Artikel der britischen Zeitung „Daily Mail“ vom 29.01.2013: „US-backed plan to launch chemical weapon attack on Syria an Blame it on Assad’s Regime. Leaked emails from defense contractor refers to chemical weapons saying ‚the idea is approved by Washington’“, der inzwischen aus dem Archiv der Daily Mail entfernt worden ist.

Der Artikel dokumentiert eine e-Mail von Dave Goulding (Business Development Direktor des britischen Waffen-/Geheimdienst-Kontraktors  „Britam Defense Ltd in Security and Investigations“)  an Philip Doughty (CEO von Britam, Vereinigte Arabische Emirate, Security and Investigations.  In der Mail schwärmt Goulding von einem von Katar gemanagten sehr gut bezahlten Deal, eine CW (Chemical Weapon) sowjetischen Typs  – ähnlich derjenigen, über die Assad verfügen dürfte  – nach  Homs zu liefern. Die Aktion sei von Washington gutgeheißen/genehmigt worden.

Der Artikel kann unter folgenden URLs abgerufen werden:

3.

Parallel veröffentlichte Paul Craig ROBERTS  (Vita siehe: www.paulcraigroberts.org/pages/about-paul-craig-roberts) einen Text „Syria: Another Western War Crime In The Making“.  Roberts referiert und verlinkt wichtige Texte/Dokumente zum Einsatz chemischer Waffen durch die sog. syrischen Rebellen, die breite Ablehnung eines US-Kriegs gegen Syrien in der US-Bevölkerung und die machtpolitischen/geostrategischen US-Interessen eines solchen Angriffskriegs: 

„... Perhaps the purpose of the wars is to radicalize Muslims and, thereby, destabilize Russia and even China. Russia has large populations of Muslims and is bordered by Muslim countries. Even China has some Muslim population. As radicalization spreads strife into the only two countries capable of being an obstacle to Washington’s world hegemony, Western media propaganda and the large number of US financed NGOs, posing as “human rights” organizations, can be counted on by Washington to demonize the Russian and Chinese governments for harsh measures against “rebels.”

Another advantage of the radicalization of Muslims is that it leaves former Muslim countries in long-term turmoil or civil wars, as is currently the case in Iraq and Libya, thus removing any organized state power from obstructing Israeli purposes. ...“

Der Text ist erreichbar unter:
www.paulcraigroberts.org/2013/08/26/syria-another-western-war-crime-in-the-making-paul-craig-roberts/

4.

By Gili Cohen and Anshel Pfeffer

Bereits am 21.08.2013 veröffentlichte die israelische Tageszeitung HAARETZ einen instruktiven Text zu der Frage, ob waffenfähige chemische Substanzen in Damaskus eingesetzt worden sind und wirft bisher nicht beantwortete Fragen auf:

www.haaretz.com/news/diplomacy-defense/.premium-1.542849

Following alleged sarin attack -- Defense Minister: Assad used chemical weapons multiple times in Syria --  But Western experts are skeptical that nerve gas was used Wednesday, and describe other viable scenarios.

»Westliche Chemiewaffenexperten, die zumindest Teile der Berichterstattung untersuchten, äußern Zweifel daran, dass waffenfähige chemische Substanzen eingesetzt wurden, betonen allerdings auch, dass begründete Schlussfolgerungen erst nach genauen Untersuchungen vor Ort gezogen werden könnten.

Dan Kaszeta, ein früherer Offizier des Chemical Corps der amerikanischen Armee, das für die Verteidigung gegen chemische, biologische, radiologische und atomare Kriegführung zuständig ist und ein führender privatwirtschaftlich tätiger Berater, verwies darauf, dass auf den Fotos und in den Videos einige wichtige Details fehlten. ›Keine der Personen, die die Opfer behandeln oder sie fotografieren, tragen irgendwelche Chemiewaffen-Schutzanzüge‹, sagte er, ›und dennoch scheint niemand von ihnen in irgendeiner Weise geschädigt zu sein‹. Damit müssten praktisch die meisten waffenfähigen Chemiewaffen ausgeschlossen werden. Dies gelte auch für die Mehrzahl der Nervengase, da diese Substanzen nicht so einfach verfliegen. Vor allem dann nicht, wenn sie in einer so hohen Menge freigesetzt wurden, die zum Tod von Hunderten von Menschen führe. In einem solchen Fall wären auch die Oberflächen der Körper und die Kleidung kontaminiert, und jeder, der ungeschützt auch noch Stunden nach dem Angriff mit ihnen in Kontakt käme, würde geschädigt. Darüber hinaus, fuhr er fort, ›finden sich auch keine der anderen Anzeichen, mit denen man im Falle eines Chemiewaffenangriffs rechnen muss, wie etwa Opferzahlen im mittleren Bereich, schwere Sehprobleme, Erbrechen und unkontrollierte Darmentleerungen‹.

Steve Johnson, ein führender Experte für die Folgen von Belastungen mit gefährlichen Stoffen an der Universität Cranfield, der mit dem britischen Verteidigungsministerium in Fragen der chemischen Kriegführung zusammenarbeitete, meinte, ›aus den uns bisher vorliegenden Einzelheiten bedeutete eine hohe Zahl von Opfern in einem ausgedehnten Bereich eine ziemlich massive Ausbringung. Und bei dieser Stärke der chemischen Kampfstoffe müsste man erwarten, bei den eintreffenden Opfern eine hohe Kontamination festzustellen, und dies würde auch die helfenden und behandelnden Personen schädigen, die nicht angemessen geschützt sind. Aber dies ist hier nicht der Fall‹.

Auch viele andere Fragen bleiben unbeantwortet. Einige betreffen den Zeitpunkt des Angriffs, der zu genau der Zeit erfolgte, als sich UN-Inspekteure in Damaskus aufhielten, um früheren angeblichen Chemiewaffeneinsätzen nachzugehen. Unklar bleibt auch, welche vermeintlichen taktischen Ziele die syrische Armee mit einem solchen Angriff verfolgen sollte, wo es ihr doch in den vergangenen Wochen gelungen war, die Aufständischen, die in zentrale Gebiete im unmittelbaren Umfeld der Hauptstadt eingedrungen waren, wieder zurückzudrängen. Aber wenn es sich nicht um einen Angriff mit Chemiewaffen handelt, was hat dann den Tod so vieler Menschen ohne äußerlich sichtbare Verletzungen ausgelöst?...«

Die syrischen Rebellen (und vielleicht andere beteiligte Akteure in der Region) haben ein deutliches Interesse daran, dieses tragische Ereignis als den bisher schwersten Chemiewaffenangriff der dem syrischen Präsidenten Baschar al-Assad gegenüber loyalen Streitkräfte darzustellen, auch wenn dies nicht der Fall ist. Dies gilt insbesondere dann, wenn sich gerade ganz in der Nähe UN-Inspekteure im Land aufhalten. Und sie haben auch Interesse daran, so vorzugehen, solange sich der amerikanische Präsident Barack Obama hinsichtlich der militärischen Unterstützung der Aufständischen zurückhaltend verhält und nur das Überschreiten einer ›roten Linie‹ [eben ein Chemiewaffeneinsatz der Regierung] ihn zu einer Änderung seiner Politik bewegen könnte.

Die Rebellen und die Ärzte vor Ort sind vielleicht tatsächlich überzeugt, dass chemische Waffen eingesetzt wurden, da sie einen solchen Angriff fürchten. Aber sie verfügen möglicherweise nicht über das erforderliche Wissen und die entsprechenden Geräte, eine solche Diagnose zu stellen. Die Europäische Union forderte am Mittwoch, die UN-Inspekteure vor Ort sollten Zugang zu den mutmaßlichen neuen Orten eines Chemiewaffeneinsatzes erhalten, aber da dies das Mandat der Inspekteure übersteigt, ist es eher unwahrscheinlich, dass die syrische Regierung dem zustimmen wird.

Stephen Johnson, Experte für Waffen und chemische Kampfstoffe am Forensischen Institut in Cranfield, meinte, die Videobilder seien »verdächtig«:

»In einigen dieser Videos finden sich Szenen, die einen ein wenig ›hyperrealen‹ Eindruck machen und gestellt wirken. Ich will damit nicht sagen, dass sie gefälscht sind, aber sie wecken einen gewissen Argwohn. Bei einigen der gezeigten Personen, die Schaum vor dem Mund haben, wirkt dieser Schaum ein wenig zu weiß, zu rein und scheint nicht von der Art innerer Verletzungen herzurühren, die man erwarten würde. In einem solchen Fall würde man mit einem blutigeren oder gelberen Schaum rechnen.«

Und der Experte für chemische und biologische Waffen Jean Pascal Zanders erklärte, die Bilder zeigten möglicherweise Erstickungsopfer, und das lasse sich nicht mit dem Einsatz von Senfgas oder dem Nervengas VX oder Sarin in Einklang bringen:

»›Ich verwende in diesem Fall bewusst nicht den Begriff Chemiewaffen‹, sagte er und fügte hinzu, der Einsatz von Industriegiften liefere eine wahrscheinlichere Erklärung.« 

(dt. Übersetzung durch EIR, m.z.)

Der Haaretz-Text wird weiter gestützt u.a. von der Huffington Post:

Martin Zeis
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