Iran: Kriegsgerüchte. Ein solcher Angriff wäre „Ein Sprung ins Dunkle“

Buchbesprechung über „The Iran Agenda Today": The Real Story Inside Iran And What's Wrong with U.S. Policy
von Reese Erlich
Denken Sie an eine Unterhaltung zwischen dem ehemaligen langzeitigen Nah-Ost-Reporter Reese Erlich und dem früheren U.S. Botschafter in Saudi-Arabien, Charles Freeman, Jr. Sie sprachen über die Leute, die heute die Politik der Trump-Regierung gegenüber Iran bestimmen. In seinem Kommentar zur Rechtfertigung des Irakkriegs durch den Nationalen Sicherheitsberaters John Bolton sagte Freeman:

Buch Iran Agenda

„Die Gruppe der Neokonservativen denken, dass ihre guten Ideen im Irak schlecht umgesetzt worden sind und was man aus der Invasion von 2003 lernen könnte, die an die 500.000 Menschen tötete und die gesamte Region destabilisierte, wäre folgendes: „Wenn du beim ersten Mal keinen Erfolg hast, mach das gleiche nochmal, einfach woanders.“

Dieses „irgendwo anders“ ist Iran und Bolton ist einer der führenden Stimmen, die dafür plädieren, das Regime in Teheran zu konfrontieren und Iran durch drakonische Sanktionen so zu zerdrücken, „until the pips squeak“. Da Sanktionen sehr wahrscheinlich keine Wirkung haben werden  – sie hatten keine in Nordkorea, haben wenig Wirkung in Russland und haben es nicht geschafft, den Regime-Change in Kuba herbeizuführen  – ist der nächste logische Schritt, vermutet Erlich, ein militärischer Angriff gegen Iran. 

Ein solcher Angriff wäre „ein Sprung in die Dunkelheit“, denn die meisten Amerikaner  – und besonders ihre Regierung  – wissen absolut nichts über das Land, mit dem wir zwangsläufig Krieg führen sollen. Ein wenig Licht in dieses Dunkel zu bringen, das war der Hauptgrund, weshalb Erlich dieses Buch schrieb. Er hat mehr als 18 Jahre über Iran berichtet, mit wichtigen Regierungsvertretern gesprochen ebenso wie mit den gewöhnlichen Leuten und schrieb Artikel über das Land, gegen das wir  – so scheint es immer mehr - unseren nächsten kleinen Krieg führen werden. Nur dass dieser Krieg alles andere als „klein“ sein wird.

Geschichte ist wichtig, wenn Entscheidungen auf Leben und Tod anstehen, wie es ein Krieg wäre, aber unglücklicherweise ist es eines der schlimmsten Defizite unserer Mainstream-Medien, dass sie an Geschichte überhaupt kein Interesse haben. Wenn den Zeitungen wie der New York Times bekannt gewesen wäre, was Rudyard Kipling über Afghanistan geschrieben hat oder T.H. Lawrence über die britische Besetzung des Irak, hätten die Herausgeber vielleicht noch einmal nachgedacht, bevor sie die Invasion der Bush-Administration in diese Länder guthiessen. Natürlich war das nicht nur das Resultat der Geschichts-Scheuklappen, die diese Leute aufhatten. Wie Erlich aufzeigt, schwimmen die Mainstream-Medien fast immer im Kielwasser der amerikanischen Aussenpolitik, mehr Cheerleader (Anfeurer) als Watchdog (Wachhund).

Falls diese Medien irgendetwas aus den Katastrophen in Zentralasien und im Mittleren Osten gelernt haben sollten, zeigt sich das nicht in ihrer Berichterstattung über Iran.  Die meisten Amerikaner sind der Meinung, dass das Land von verrückten Mullahs regiert wird, die die USA hassen, und dass es sich  – in den Worten von Präsident Trump - um eine „terroristische Nation“ handelt. Die Amerikaner haben dieses Bild von Iran aber nicht zufällig, sondern weil das Land so in den Medien dargestellt wird.

Tatsache ist aber, dass die US-Regierung (mit ein wenig Hilfe der Briten) 1953 Irans demokratisch gewählte Regierung gestürzt haben und dass sie Saddam Hussein 1980 bei seinem Angriff auf Iran unterstützten, ein Krieg, der über eine Million Opfer zur Folge hatte. Diese Fakten sind im Gedächtnisloch verschwunden.

Eine Stärke des Buches ist, dass es sorgfältig die US-Iranischen Beziehungen aufrollt, und den Finger auf die Dinge legt, wie die Entwicklung der iranischen nuklearen Infrastruktur. Als der Schah an der Macht war, hat Washington dem Iran Atomkraftwerke regelrecht aufgezwungen, inklusive die Technologie der Urananreicherung, obwohl sich die USA sehr wohl bewusst waren, dass das zur Entwicklung von Atomwaffen führen könnte. Tatsächlich hat Indien genau auf diese Weise 1974 seine erste Atombombe produziert.

Erlich analysiert auch alles was die Klassenstruktur Irans und seine komplexen Ethnien angeht und erklärt, wie die Islamische Republik Iran politisch und wirtschaftlich funktioniert. Erlich ist zwar ein entschiedener und langjähriger Kritiker der US-Aussenpolitik, jedoch ist er kein Bewunderer von Irans politischen Institutionen. Iran ist sehr viel demokratischer als die absoluten Monarchien im Persischen Golf, mit denen Washington engstens verbündet ist, aber das Land kann kaum eine Demokratie genannt werden: „Iran wird von einer reaktionären diktatorischen Clique regiert, die die eigenen Leute unterdrückt, das macht Iran jedoch keineswegs zur Bedrohung für die USA. Das was Teheran vielmehr bedroht, sind „die Interessen der politischen, militärischen und korporierten Elite, die die USA beherrschen.“ Bei vielen Gelegenheiten hat Teheran den USA Friedensangebote gemacht, die alle zurückgewiesen wurden.

Iran ist ein Land mit einer sehr alten Geschichte und sein Volk hat ein starkes nationalistisches Sensorium, auch wenn ein Teil der Bevölkerung nicht unbedingt ein Freund des iranischen politischen top-down-Systems und der klerikalen Einmischungen  in das alltägliche Leben ist. Die Vorstellung aber, dass das iranische Volk aufstehen und seine Regierung stürzen würde, wegen der Sanktionen oder im Fall eines militärischen Angriffs ist laut Erlich eine totale Illusion.

"The Iran Agenda Today" bringt viel Wissenswertes ohne in eine übermässig detaillierte Beschreibung mehrerer Tausende Jahre Geschichte auszuarten. Es liefert aber bestimmt genug historischen Kontext um zu schlussfolgern, dass ein Angriff auf Iran  – und der würde natürlich Saudiarabien, die Vereinigten Arabischen Emirate und möglicherweise Israel einbeziehen  – ein regionales Chaos mit internationalen Auswirkungen lostreten würde.

Ein solcher Krieg würde sicherlich ein Luftkrieg werden und enormen Schaden anrichten. Doch wozu? Iran würde sich niemals unterwerfen und das iranische Volk würde zur Verteidigung seines Landes herbeieilen. Teheran ist durchaus in der Lage, mit konventionellen Mitteln zurückzuschlagen. Die Ölpreise würden in die Höhe schnellen und die Wachstumsraten der Länder, die weiter mit Iran Handel treiben - China, Russland, Türkei, Indien - würden boomen. […]

Mr. Bolton, Israels Premierminister Netanjahu und der Saudische Kronprinz Mohammed bin Salman, hätten dann ihren Krieg, aber Krieg ist ein äusserst unsicheres Geschäft. Wie der preussische Feldmarschall Helmuth von Moltke, einer der Begründer moderner Kriegsführung einmal sagte:

„Kein Plan überlebt den Kontakt mit dem Feind“.

Übersetzung seniora.org

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Iran: A Rumor of War. Such an Attack would be a “Leap into Darkness”

A Book Review of “The Iran Agenda Today: The Real Story Inside Iran And What’s Wrong with U.S. Policy” By Reese Erlich

Want another thing to keep you up at night? Consider a conversation between long-time Middle East reporter Reese Erlich and former U.S. ambassador to Saudi Arabia, Charles Freeman, Jr. on the people currently directing the Trump administration’s policy toward Iran. Commenting on National Security Advisor John Bolton’s defense of the invasion of Iraq, Freeman says

“The neoconservative group think their good ideas were poorly implemented in Iraq,” and that the lesson of the 2003 invasion that killed upwards of 500,000 people and destabilized an entire region is, “If at first you don’t succeed, do the same thing again somewhere else.”

That “somewhere else” is Iran, and Bolton is one of the leading voices calling for confronting the Teheran regime and squeezing Iran through draconian sanctions “until the pips squeak.” Since sanctions are unlikely to have much effect—they didn’t work on North Korea, have had little effect on Russia and failed to produce regime change in Cuba—the next logical step, Erlich suggests, is a military attack on Iran.

Such an attack would be a leap into darkness, since most Americans—and their government in particular—are virtually clueless about the country we seem bound to go to war with. Throwing a little light on that darkness is a major reason Erlich wrote the book. For over 18 years he has reported on Iran, talking with important government figures and everyday people and writing articles on the country that increasingly looks to be our next little war. Except it will be anything but “little.”

History matters when it comes to life and death decisions like war, but unfortunately, one of the mainstream media’s glaring deficiencies is its lack of interest in the subject. If newspapers like the New York Times had bothered to read Rudyard Kipling on Afghanistan or T.E. Lawrence on the British occupation of Iraq, the editors might have had second thoughts about supporting the Bush administration’s invasions of those countries. Of course, this was not just the result of wearing historical blinders. As Erlich points out, the mainstream media almost always follows in the wake of American foreign policy, more cheerleader than watchdog.

Scapegoating Iran

But if that media learned anything from the disasters in Central Asia and the Middle East, it is not apparent when it comes to its reporting on Iran. Most Americans think that country is run by mad mullahs who hate the U.S. and is - in the words of President Donald Trump - a “terrorist nation.” Americans don’t hold that image of Iran by accident, but because that is the way the country is represented in the media.

The fact that the U.S. government (along with some help from the British) overthrew Iran’s democratically elected government in 1953 and backed Saddam Hussein’s attack on Iran in 1980 that resulted in over a million casualties has vanished down the memory hole.

One of the book’s strong points is its careful unraveling of US-Iranian relations, setting the record straight on things like the development of Iran’s nuclear infrastructure. While the Shah was in power, Washington pushed nuclear power plants on Iran, including nuclear fuel enrichment technology, even though the Americans were aware that it could lead to weapon development. Indeed, that is exactly how India produced its first nuclear weapon back in 1974.

Erlich also analyzes everything from class structure to Iran’s complex ethnicities and explains how the Islamic Republic functions politically and economically. While he is a long-time critic of US foreign policy, Erlich is no admirer of Iran’s political institutions. Iran is far more democratic than the absolute monarchies of the Persian Gulf - with which the Washington is closely allied - but it is hardly a democracy.

“Iran is ruled by a reactionary, dictatorial clique that oppresses its own people,” he writes, “however, that does not make Iran a threat to Americans.” What Teheran does threaten “are the interests of the political, military and corporate elite who run the United States.” On a number of occasions Iran has made peace overtures to the U.S., all of which have been rejected.

Iran is a country with a very long history, and its people have a strong sense of nationalism, even if much of the population is not overly fond of Iran’s top-down political system and clerical interference in everyday life. The idea that the Iranian people will rise up and overthrow their government because of sanctions or in the event of a military attack on the government is, according to Erlich, pure illusion.

The Iran Agenda Today covers a lot of ground without bogging down in a overly detailed accounts of several millennia of history. It certainly provides enough historical context to conclude that an attack on Iran - which would likely also involve Saudi Arabia, the United Arab Emirates and possibly Israel - would unleash regional chaos with international repercussions.

Such a war would be mainly an air war - not even the Trump administration is crazy enough to contemplate a ground invasion of a vast country filled with 80 million people - and would certainly inflict enormous damage. But to what end? Iran will never surrender and its people would rally to the defense of their country. Teheran is also perfectly capable of striking back using unconventional means. Oil prices would spike, and countries that continue to do business with Iran - China, Russia, Turkey and India for starters - would see their growth rates take a hit. No European country would support such a war.

Of course creating chaos is what the Trump administration excels at, and in the short run Iran would suffer a grievous wound. But Teheran would weather the blow and Americans would be in yet another forever war, this time with a far more formidable foe than Pushtin tribes in Afghanistan or jihadists in Iraq.

Mr. Bolton, Israeli Prime Minister Benjamin Netanyahu, and Saudi Crown Prince Mohammed bin Salman may get their war, but war is a deeply uncertain business. As Prussian Field Marshall Helmuth von Moltke, one of the founders of modern warfare, once noted,

“No plan survives contact with the enemy.”

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Erlich, a Peabody Award winner and the author of five books, has written a timely analysis of U.S. foreign policy vis-à-vis Iran and why, if our country continues on its current path, we - and the world - are headed into a long, dark tunnel.

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The original source of this article is Dispatches from the Edge

Copyright © Dispatches from the Edge, Dispatches from the Edge, 2018

Quelle: https://www.globalresearch.ca/iran-a-rumor-of-war-such-an-attack-would-be-a-leap-into-darkness/5661970

Naher Osten, Politik, USA, Iran, Geopolitik, Golfkriege

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