DU-Bombardierungen der Nato haben Krebs verursacht

Nun auch in Frankreich gerichtlich bestätigt
17. Juni 2020
ef Ein französisches Gericht hat nach einem vierjährigen Verfahren anerkannt, dass der Tod des Gendarmeriehauptmanns Henri Friconneau, der im Jahr 2015 an einem seltenen Angiosarkom gestorben ist, die Folge von abgereichertem Uran (DU) war, dem er während seines OPEX1-Einsatzes im Kosovo ausgesetzt war. Dies berichtete die französische Zeitung «La voix des gendarmes» (Die Stimme der Gendarmen) am 31. Mai 2020.

Das französische Nachrichtenmagazin Marianne hatte am 1. November 2019 berichtet: «Mit seinen Kollegen war er [Friconneau] in einer Kaserne der ehemaligen jugoslawischen Armee untergebracht, die noch immer die Spuren der Bombenangriffe trägt. Im Mai 2014 wurde der Untersuchungsbeamte […] wegen anhaltender Schmerzen im linken Gesäss, gegen die entzündungshemmende Medikamente wirkungslos waren, ins Krankenhaus eingeliefert. Die Analysen zeigten, dass er von einem metastasierenden Knochenangiosarkom zerfressen wird, das Leber, Lunge und Herz befällt. Er wird ein Jahr später daran sterben.»

Seine Ehefrau Loret Friconneau hat nun das Recht erhalten, den Namen ihres Mannes auf die Liste der Verdienten «Mort pour la France» (Für Frankreich gestorben) zu setzen. Zudem ist ihr eine Witwenrente zuerkannt worden, die ihr das französische Verteidigungsministerium bisher verweigert hatte. Henri Friconneau war im Jahr 2000 für sechs Monate im Kosovo stationiert gewesen und dort mit DU in Kontakt gekommen, das in den Überresten von Raketen enthalten war, die 1999 von der Nato gegen die Serben eingesetzt worden waren. 

Dank der von ihrer Anwältin Véronique Rachet-Darfeuille durchgeführten Gegenermittlungen wurde nun   – nach Italien   – auch in Frankreich durch ein Gericht der Zusammenhang zwischen den Bombardierungen der Nato mit DU-Munition und den steigenden Krebsfällen im Militär, aber auch bei der Zivilbevölkerung anerkannt.

Rechtsanwalt Dr. Srdjan Aleksic aus der serbischen Stadt Nis vertritt seit Jahren zahlreiche Familien, die seit dem Jugoslawien-Krieg 1999 Angehörige durch zumeist schwere multiple Krebserkrankungen verloren haben. Er bereitet derzeit in allen Nato-Mitgliedsländern, die sich am Angriffskrieg gegen die damalige Bundesrepublik Jugoslawien beteiligt haben, Klagen vor und verhandelt bereits vor der serbischen Justiz. 

Aleksic hat für die internationalen Klagen ein Team aus 26 Juristen und Professoren aus Serbien, Deutschland, Frankreich, Italien, Russland, China, Grossbritannien und der Türkei gebildet. Auch zahlreiche Ärzte engagieren sich dafür, die schweren Folgen des DU-Einsatzes zu dokumentieren und zu analysieren. Laut serbischem Gesundheitsministerium wird durchschnittlich bei einem Kind pro Tag Krebs diagnostiziert. Insgesamt ist die Rate an Krebspatienten mit rund 33 000 Fällen pro Jahr fünfmal so hoch wie vor dem Angriff (https://de-de.facebook.com/ratnasteta/). Aleksic hatte hierzu 2018 und 2019 zwei internationale Konferenzen in Nis durchgeführt (siehe Zeit-Fragen Nr. 15 vom 2. Juli 2019). 

Gegenüber der Zeitung für die serbische Diaspora «Vesti» sagte er am 3. Juni 2020: «Die Bestätigung des Ursache-Wirkungs-Zusammenhangs dieser schwersten Krankheiten mit den mit abgereichertem Uran abgefeuerten Geschossen kommt nach Italien nun aus einem anderen Nato-Land, und das ist eine grosse Sache. Sie steht für die Hoffnung, dass es uns gelingen wird, den Zusammenhang zwischen der Bombardierung der Bundesrepublik Jugoslawien 1999 und der wachsenden Ausbreitung von Krebserkrankungen in Südserbien, im Kosovo und in Metochien nachzuweisen.

Deshalb ist es eine grosse Chance für die Kranken und die Familien der Verstorbenen, diese Wahrheit zu beweisen und eine Entschädigung dafür zu bekommen». Laut «Vesti» hat Aleksic beim Menschenrechtsausschuss der Vereinten Nationen in Genf inzwischen 1500 Eingaben mit medizinischen Unterlagen serbischer Bürger, die glauben, dass ihre Krankheit die Folge der Nato-Bombardierungen ist, eingereicht:

«Ich erläuterte ihre Fälle und beantragte die Entsendung unabhängiger Untersuchungsbeauftragter nach Serbien, die sich mit dem Schutz der Menschenrechte und dem Umweltschutz befassen sollten.»

1  Opérations extérieures: zeitlich begrenzte Auslandseinsätze der französischen Streitkräfte unter UN- oder Nato-Mandat.

 Quelle: https://www.zeit-fragen.ch/archiv/2020/nr-13-16-juni-2020/du-bombardierungen-der-nato-haben-krebs-verursacht.html

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