Skip to main content

Will Schryver: Die Bestie bluten lassen

"Ich bin geneigt zu glauben, dass die Russen, sofern es nicht zu einer wirklich ungeheuerlichen Eskalation seitens der USA/NATO kommt, mehr als bereit sind, diesen Krieg unter den westlich strategisch idiotischen Bedingungen fortzuführen, von denen sie schon seit langem ausgehen: Der Westen setzt seine militärische Stärke stückweise in der Schlacht ein, und die Russen besiegen und/oder zerstören sie methodisch".
1. Juni 2024 Von Will Schryver - übernommen von x.com/imetatronink
02. Juni 2024

(Red.) Schryver bringt ein gutes Argument, aber mir scheint, das ist nicht zu Ende gedacht. Wenn wir davon ausgehen, dass es sich in diesem Krieg um ein auf beiden Seiten existezielles Geschehen handelt (entweder/oder - Unipolar oder Multipolar), dann steht auch auf der Seite des Westens die "Existenz" (seines Systems) auf dem Spiel. Egal, wer den Krieg angefangen hat - jetzt wird er bis zum bitteren Ende geführt. Welche letzten Eskalationsmittel stehen dann dem Westen zur Verfügung, wenn er auf dem konventionellen Feld unterliegt?
Im Kalten Krieg war das Kalkül, dass kein Krieg möglich ist, weil das Paradigma des MAD (mutially assured destruction - gegenseitige sichere Vernichtung) verhindert hat, dass überhaupt ein "grosser Krieg" möglich ist - weil jede Seite wusste, dass im Fall einer konventionellen existentiellen Niederlage die nukleare Komponente ins Spiel käme, was zwangsläufig zur gegenseitigen Vernichtung führen würde. Der Koreakrieg und der Vietnamkrieg wurden lokal begrenzt - sowohl von den USA als auch von Russland und China. Man hat also damals die gegenseitige Existenz anerkannt und auf Verhandlungslösungen gesetzt.
Bush Sr. hat seinerzeit gesagt, der Kalte Krieg wurde nicht beendet, sondern von den USA gewonnen. Das war das "Ende der Geschichte". Seither galt weltweit die Rules Based Order. Jetzt kommen die "Bösen Drei" (Russland, China und Iran) und stellen das alles in Frage.
Gilt also die frühere MAD-Gleichung noch? Putin hat in der Pressekonferenz in Taschkent diese Frage gestellt und gesagt: "Wir werden ja sehen und werden dann entsprechend handeln."
Ich sehe die Gefahr, dass die westlichen Entscheider, die "bequem" jenseits des Atlantiks sitzen, der Meinung sind, dass ein Atomkrieg in Europa sie nicht betreffen würde. Als Hochseesegler weiss man um die generelle Westströmung der Jetstream-Winde, die alles, was im Osten aufsteigt, irgendwann auf die ganze Weltkugel verteilt - der Fallout wird auch in Kansas ankommen...
Wie gesagt: Will Schryver hat schon Recht - aber das ist nicht zu Ende gedacht. Leider.(am)

Will Schryver 0e77a00a 1a1b 4cb2 8bef 9463fc1b819a 1069x1224 2366157747
Will Schryver

Warum sollten die Russen etwas dagegen haben, wenn die USA/NATO mehr von ihren spärlichen Beständen an ballistischen Kurzstreckenraketen und Marschflugkörpern mit größerer Reichweite schicken? Die Erfolgsquoten der ATACMS- und Storm Shadow-Raketen sind miserabel und nehmen mit der Zeit stetig ab. Sie sind strategisch bedeutungslos. Und es gibt praktisch keine Nachschubkapazitäten!

Warum sollten die Russen etwas dagegen haben, wenn die USA/NATO eine Staffel   – oder sogar fünf   – veralteter F-16 in die Ukraine schickt? Ja, natürlich würden sie von NATO-„Freiwilligen“ gesteuert, und sie könnten anfangs sogar eine Handvoll übertriebener und flüchtiger „Erfolge“ erzielen. Aber wenn sie tatsächlich versuchen, ernsthafte Einsätze über dem ukrainischen Schlachtfeld zu fliegen, wird die Lebensdauer der alten F-16 mit unzureichender Logistik und Wartung nur noch in Stunden gemessen werden können.

Und warum sollten die Russen vor allem etwas dagegen haben, wenn die USA/NATO „Bodentruppen“ in die Ukraine schickt, um sich der russischen Armee zu stellen?

Es muss einfach klar sein, dass die USA/NATO nicht einmal ein Dutzend kompetenter Kampfbrigaden zusammenstellen, ausrüsten, entsenden und aufrechterhalten könnten, um die Russen in der Ukraine anzugreifen.

Ist Ihnen klar, was mit 50.000 NATO-Soldaten passieren würde, die noch nie einen Krieg mit hoher Intensität erlebt haben, wenn sie plötzlich mit einer zwangsläufig mangelhaften Führung und Koordination auf das Schlachtfeld der Ukraine gestoßen würden?

Sie würden gnadenlos abgeschlachtet werden.

Für die NATO-Truppen wäre es noch schlimmer als für die AFU während ihrer katastrophalen „Gegenoffensive“ im Sommer 2023.

Wenn ich also Gerassimow wäre, würde ich sagen: „Bringt sie her!“

Bei dem Tempo, mit dem dieses ganze Ukraine-Debakel abläuft, wird im Grunde genommen die gesamte in Europa stationierte Militärmacht   – sei sie nun einheimisch oder in Form amerikanischer Expeditionsstreitkräfte   – für mindestens ein Jahrzehnt, wahrscheinlich sogar länger, auf „kampfunfähig“ geschrumpft sein.

Wenn ich die Russen wäre, würde ich dieses Ziel als das summum bonum betrachten, das als Ergebnis dieses Krieges zu erreichen ist, und ich wäre abgeneigt, die Meister des Imperiums zu unterbrechen, während sie dabei sind, es mir auf einem Silbertablett zu servieren.

Quelle: https://x.com/imetatronink/status/1796668373084082610?utm_source=substack&utm_medium=email
Die Übersetzung besorgte Andreas Mylaeus

 

Weitere Beiträge in dieser Kategorie