Gespräch zwischen US-Vize-Aussenministerin und dem Botschafter der USA in der Ukraine

zf. Zwischen dem 22. und 25. Januar 2014 wurde ein Telefongespräch zwischen Victoria Nuland, Vize-Aussenministerin der Vereinigten Staaten, und Geoffrey R. Pyatt, US-Botschafter in der Ukraine, abgefangen. Victoria Nuland ist eine neokonservative Diplomatin, Ehefrau des Historikers Robert Kagan. Sie war die wichtigste Beraterin in der Aussenpolitik von Vizepräsident Dick Cheney, bevor sie von George W. Bush zur Botschafterin bei der Nato ernannt wurde. Hillary Clinton berief sie als deren Sprecherin ins Aussenministerium und John Kerry machte sie zu seiner Assistentin für Europa und Eurasien.

Im Gespräch mit dem US-Botschafter in Kiew gibt sie Anleitungen, wie auf den Vorschlag von Präsident Janukowitsch, die Opposition eine Regierung bilden zu lassen, zu reagieren sei. Ihr zufolge müsste man Arsenij Jazenjuk plazieren, Wladimir Klitschko aus dem Spiel halten und den Naziführer Oleh Tyahnybok umgehen, weil er unangenehm wird.

Im Gespräch werden auch der ehemalige US-Diplomat Jeffrey Feltman, jetzt Stellvertretender Generalsekretär der Vereinten Nationen, und der Niederländer Robert Serry, ehemaliger Leiter der Nato-«Operationen», erwähnt. Beide haben heute die Aufgabe, die US-Position in der Uno durchzusetzen.

Victoria Nuland: Was denkst du?

Geoffrey R. Pyatt: Ich denke, wir spielen. Die Klitschko-Figur ist natürlich hier das komplizierteste Elektron, vor allem, dass er als stellvertretender Ministerpräsident angekündigt wurde. Kennst du meine Notizen über die Probleme der Ehe derzeit, wir versuchen, wirklich schnell einen Einblick zu bekommen, um zu erfahren, ob er ein Teil des Teams ist. Aber ich denke, dass deine Argumentation, was ihn betrifft, was du ihm sagen musst  – ich glaube, das ist der nächste Anruf, den du organisieren willst  – ist genau die, die du schon Yats [Jazenjuk] gegenüber geäussert hast. Ich bin froh, dass du ihn ins Gebet genommen hast […]. Er gehört zu diesem Szenario. Und ich bin sehr froh, dass er sagte, was er gesagt hat.

Victoria Nuland: Gut. Ich glaube nicht, dass Klitsch [Klitschko] in der Regierung sein sollte. Ich glaube nicht, dass das notwendig ist, ich glaube nicht, dass es eine gute Idee ist.

Geoffrey R. Pyatt: Ja, ich möchte sagen, ich nehme an […] in bezug auf seine Nicht-Beteiligung an der Regierung, ich würde ihn draussen lassen und seine politischen Hausaufgaben machen lassen. Ich denke nur nach, um die Optionen für das Vorankommen zu sortieren, wir wollen die gemässigten Demokraten zusammen halten. Das Problem werden Tyahnybok und seine Jungs sein. Weisst du, ich bin sicher, dass dies ein Teil dessen ist, womit Janukowitsch bei all dem rechnet.

Victoria Nuland: Ich denke Yats, das ist der Kerl. Er hat wirtschaftliche Erfahrung und Erfahrung zu regieren. Er ist der Kerl. Weisst du, was er braucht, ist, dass Klitsch und Tyahnybok draussen bleiben. Er braucht, dass wir mit ihnen viermal pro Woche reden. Weisst du, ich denke gerade, wenn Klitschko hineinkommt, wenn er auf dieser Ebene für Jazenjuk arbeitet, das wird einfach nicht funktionieren …

Geoffrey R. Pyatt: Ja, ja, ich denke, es ist wahr. Okay, gut. Willst du, dass wir als nächsten Schritt einen Anruf mit ihm organisieren?

Victoria Nuland: Meine Auffassung des Anrufs, von dem du sprichst, ist, dass die drei Grossen zu ihrer eigenen Sitzung gehen und dass Yats ihnen in diesem Zusammenhang ein «drei-plus-eins»-Gespräch anbietet, weisst du, oder ein «drei-plus-zwei»-Gespräch mit dir. Hast du das nicht so verstanden?

Geoffrey R. Pyatt: Nein. Ich denke, das war, was er vorgeschlagen hat, aber da wir ihre interne Dynamik kennen, als Klitschko der King war, wird er bei jedem ihrer Sitzungen aufkreuzen, und wahrscheinlich spricht er mit seinen Jungs in diesem Moment darüber. Also ich denke, wenn du dich direkt an ihn wendest, wäre es hilfreich beim Persönlichkeits-Management unter den dreien. Das gibt dir auch die Möglichkeit, das alles schnell voranzubringen, und wird uns erlauben, es hinter uns zu bringen, bevor sie sich zusammensetzen und er erklärt, warum er damit nicht einverstanden ist.

Victoria Nuland: Okay. Gut. Ich bin glücklich. Warum kontaktierst du ihn nicht, um zu sehen, ob er vor oder nachher reden will.

Geoffrey R. Pyatt: Okay, ich werde es tun. Vielen Dank.

Victoria Nuland: Ich erinnere mich nicht, ob ich dir das gesagt habe oder ob ich darüber nur mit Washington gesprochen habe: Als ich heute Morgen mit Jeff Feltman sprach, hatte er einen neuen Namen für den Typ der Vereinten Nationen: Robert Serry. Ich habe dir darüber heute morgen geschrieben.

Geoffrey R. Pyatt: Ja, ich habe es gesehen.

Victoria Nuland: Okay. Er hat heute beide, Serry und Ban Ki-Moon dazu gebracht, dass sie einverstanden sind, dass Serry Montag oder Dienstag kommen wird. Ich denke, das wäre toll, um dabei zu helfen, diese Sache zu verleimen [fix zu machen] und die Hilfe der Vereinten Nationen beim Festkleben zu haben, und wenn man so will: F… die EU.

Geoffrey R. Pyatt: Nein, genau. Und ich denke, dass wir etwas tun müssen, um das zusammenzuhalten, denn du kannst sicher sein, dass wenn die Sache beginnt, Höhe zu gewinnen, die Russen hinter den Kulissen arbeiten werden, um sie zu torpedieren versuchen. Und ferner die Tatsache, dass das jetzt dort draussen ist, ich versuche in meinem Kopf immer noch zu ergründen, warum Janukowitsch das […] In der Zwischenzeit findet gerade jetzt ein Treffen der Partei der Regionen statt, und ich bin sicher, dass es eine sehr lebhafte Diskussion in dieser Gruppe zu diesem Thema gibt. Aber auf alle Fälle können wir in dieser Sache den Pfannkuchen auf die richtige Seite schmeissen, wenn wir schnell handeln. Also lass mich an Klitschko arbeiten und wenn du nur beibehalten kannst […] Ich denke, wir sollten einfach versuchen, jemanden mit einer internationalen Persönlichkeit der hier erscheint als Geburtshelfer. Die andere Frage betrifft Janukowitsch, aber wir werden das wahrscheinlich morgen neu organisieren wenn wir sehen, wie die Dinge Gestalt annehmen.

Victoria Nuland: Also, zu diesem Punkt, Jeff, als ich die Notiz schrieb, hat mir Sullivan [Jacob Sullivan, der Berater von Joe Biden war, ist einer der Unterhändler des Rates der nationalen Sicherheit der Vereinigten Staaten] in einer sehr formalen Weise geantwortet, indem er sagte, dass ich Biden bräuchte, und ich sagte, wahrscheinlich morgen, für die «gut gamcht Jungs» und um die Einzelheiten zu fixieren. Also, Biden ist willens.

Geoffrey R. Pyatt: Okay. Sehr gut, danke.

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Quelle: Oriental Review/Voltaire Netzwerk vom 8.2.2014
http://www.zeit-fragen.ch/index.php?id=1890
Übersetzung: Übersetzung Horst Frohlich/Zeit-Fragen
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