Tucker Carlson goes global: dramatisches Interview in Ungarn.
Fox News könnte die Entlassung von Tucker Carlson vor einigen Monaten bereuen, denn der Journalist ist nicht mehr an die Zensurrichtlinien der Zahlmeister des Unternehmens gebunden, falls er das jemals war. Er nutzt sein außergewöhnliches Publikum in den Vereinigten Staaten, das er größtenteils auf seinen eigenen Twitter-Account (X) übertragen hat, sehr geschickt zu einer globalen Präsenz, die einer gezielten politischen Agenda dient: die militärische und finanzielle Unterstützung der USA für den Krieg in der Ukraine zu beenden und dabei Joe Biden und dessen korrupte, verlogene und inkompetente Regierung zu stürzen.
Diejenigen, die Tucker Carlsons Interview mit dem ehemaligen Präsidenten Donald Trump am vergangenen Dienstag gesehen haben, das die Zuschauer von der im Fernsehen übertragenen Präsidentschaftsdebatte von Trumps republikanischen Mitstreitern ablenken sollte und dies auch weitgehend geschafft hat, werden vielleicht zu Recht meine Beschreibung von Tuckers Leistungen in letzter Zeit in Frage stellen. Das Interview war fade, langweilig und bestand nur aus den prahlerischen Behauptungen von The Donald, er werde Wunder vollbringen, um Amerika vom Rande der Katastrophe zurückzuholen, wenn er die Wahl 2024 gewinnt. Aber Carlson konnte aus Trump nicht mehr herausholen, als der Mann bereit ist zu geben, und das ist sehr wenig in Anbetracht der verschiedenen Gerichtsverfahren, denen Trump gegenübersteht.
Auf der anderen Seite sind seine Gastgeber auf Carlsons Europareisen bestrebt, ihre Interviews mit Carlson zu nutzen, um ihre Botschaften direkt an ein großes amerikanisches Publikum zu übermitteln, das ansonsten für sie unzugänglich ist. Diese Botschaften sind sehr kritisch gegenüber der Führung in Washington und in der Europäischen Union, die sie beschuldigen, die Wirtschaft des Alten Kontinents durch ihre unsinnigen Sanktionen gegen Russland zu ruinieren. Gleichzeitig erlauben diese Gastgeber Carlson, vor ihrem heimischen Publikum zu sprechen und zeigen damit ihren Wählern, dass nicht jeder Amerikaner den Verstand verloren hat oder Angst hat, sich gegen das Biden-Team auszusprechen.
Ich möchte insbesondere auf Carlsons kürzlich ausgestrahltes Interview mit dem ungarischen Premierminister Viktor Orban hinweisen, das bereits 50 Millionen Mal aufgerufen wurde und dessen Zahl von Minute zu Minute steigt.
In diesem Zusammenhang kann man sagen, dass Tucker Carlsons Vorträge und Interviews, in denen er die Schuld am Ausbruch des russisch-ukrainischen Krieges und an den schrecklichen menschlichen und materiellen Verlusten der ukrainischen Seite und an der Verlängerung des Krieges auf Befehl Washingtons aufdeckt, die Leistungen der meistbeachteten Akademiker und Intellektuellen, darunter die Professoren John Mearsheimer und Jeffrey Sachs, bei weitem übertreffen, ganz zu schweigen von Anti-Kriegs-Aktivisten wie Scott Ritter und Colonel Macgregor in der Kategorie der Militärexperten.
In dem Carlson-Interview mit Viktor Orban ging es um das Spannungsfeld der Beziehungen zwischen Ungarn und den Vereinigten Staaten sowie zwischen Ungarn und der Europäischen Union. Die Rolle der ideologischen Kriegsführung gegen Orban, die von den Liberalen im Ausland wegen seiner Verteidigung der nationalen Souveränität und der traditionellen christlichen Werte, in deren Mittelpunkt die Familie steht, betrieben wird, wird ausführlich erörtert.
Ich ziehe meinen Hut vor dem ungarischen Regierungschef für seine intellektuelle Stärke und seinen Mut, sich gegen die vorherrschende Strömung im Westen zu stellen, was von Carlson meisterhaft herausgestellt wird. Natürlich ist, wie Orban selbst in dem Interview sagt, "niemand perfekt", und seine Einschätzung, dass die NATO mit konventionellen Waffen weitaus stärker sei als Russland, scheint auf dem Schlachtfeld in der Ukraine derzeit widerlegt zu sein. Nichtsdestotrotz zieht Orban aus seinen Beobachtungen das zwingende Argument, dass die Ukrainer in diesem Konflikt unmöglich siegreich sein können, dass er sofort beendet werden sollte und dass jetzt eine neue Sicherheitsarchitektur für Europa geschaffen werden muss, die Russland einschließt.
Von den vielen verschiedenen Punkten in diesem Interview haben russische Nachrichtenportale heute die folgenden für Leitartikel ausgewählt: Orbans Aussage, dass sowohl Serbien als auch Ungarn jeden Angriff auf die South-Stream-Gaspipeline, die russisches Gas über das Schwarze Meer und durch die Türkei in ihre Länder liefert, als Casus Belli betrachten würden. Orban sagte nicht, gegen wen sich diese Warnung richtete, aber im Kontext des Interviews könnte sie als an die Vereinigten Staaten und/oder die Ukraine gerichtet verstanden werden.
Siehe https://life.ru/p/1603956?utm_source=yxnews&utm_medium
Im Allgemeinen erhält Tucker Carlson viel Sendezeit im russischen Staatsfernsehen. Als er noch bei Fox News arbeitete, wurden in den Sendungen "Sechzig Minuten", "Abend mit Vladimir Solovyov", "Nachrichten der Woche" und "Vesti" häufig Auszüge aus seinen täglichen Sendungen gezeigt. Am vergangenen Sonntag sagte die Chefredakteurin von RT, Margarita Simonyan, in der Solovyov-Sendung, dass Carlson an sie herangetreten sei und sie um Hilfe bei der Vermittlung eines Interviews mit Wladimir Putin gebeten habe. Ich halte es für sehr wahrscheinlich, dass die Erlaubnis in naher Zukunft erteilt werden wird. Das wird eine Sendung sein, die es wert ist, gesehen zu werden.
Quelle: https://gilbertdoctorow.com/
Mit freundlicher Genehmigung von Gilbert Doctorow
Die Übersetzung besorgte Andreas Mylaeus
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