Verkalkulieren sich die USA und ihre Verbündeten erneut mit ihren Kriegsplänen?

zf. In einem ausführlichen Video-Gespräch des norwegischen Politikwissenschaftlers und Buchautors Glenn Diesen mit dem ehemaligen Oberst der US-Armee, leitenden Berater des Pentagon und politischen Kommentator Douglas Macgregor1kommen beide auch auf die Lage in Westasien zu sprechen. Hier braue sich eine Eskalation zusammen, die den ganzen Nahen und Mittleren Osten in Brand stecken und in einen Weltkrieg münden kann.
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[…] Glenn Diesen: Ein Bereich, in dem wir sehen könnten, dass die USA und möglicherweise ihre Nato-Verbündeten mit diesem neuen Block, der sich gerade bildet – mit Russland und China im Zentrum – in Konflikt geraten, ist der Nahe Osten. Ich bin mir nicht sicher, ob es derzeit eine Pattsituation mit dem Iran gibt. Es scheint, dass Trump einen leichten Sieg oder einen kurzen Krieg wollte, aber die Iraner scheinen mit massiven Vergeltungsmassnahmen gegen jeden Angriff gedroht zu haben, was es sehr schwierig macht, eine Eskalationskontrolle zu haben – also zu entscheiden, wann der Krieg beginnen soll, wie er geführt werden soll und wann er enden soll. Aber wie wirkt sich das auf das grössere strategische Gesamtbild aus? Inwieweit würden sich beispielsweise Russland und China einmischen oder haben dies möglicherweise bereits getan?
Douglas Macgregor: Das Dreigespann Mossad-CIA-MI6 hat es vor einigen Wochen geschafft, Präsident Trump davon zu überzeugen, dass der Iran kurz vor dem Zusammenbruch stehe, und zwar basierend auf ihrer Behauptung, dass es innerhalb des Landes konzertierte Bemühungen gebe, die Regierung zu stürzen.
Die Proteste [im Iran] waren zu Beginn völlig berechtigt. Sie waren nicht gewalttätig und zielten nicht darauf ab, irgend jemanden zu stürzen. Es handelte sich um eine grosse Anzahl von Menschen, die über die Lage der iranischen Wirtschaft, für die wir in den Vereinigten Staaten massgeblich verantwortlich sind, äusserst verärgert waren. Ihre Währung wurde systematisch zerstört, und das war ihnen allen bewusst. Und das war der Grund für die Proteste. Sie zielten nicht auf einen Regimewechsel ab.
Dann mischte sich der Mossad – mit Unterstützung des I6 und der CIA – ein. Wir müssen nicht noch einmal auf die 40000 Starlink-Terminals eingehen, die ins Land geschmuggelt wurden, oder auf die Mossad-Agenten, die in der Menge operierten, den Menschen Geld und Waffen zur Verfügung stellten und sie dazu aufforderten, auf die Polizei zu schießen und Regierungsmitglieder zu töten und so weiter.
All das wurde dank der Hilfe Russlands und Chinas sehr schnell unterbunden und beseitigt. Die 40000 Starlink-Terminals [Satellitenantennen] wurden abgeschaltet, und sowohl die Russen als auch die Chinesen halfen dabei, ihren Standort zu identifizieren. Das half den Iranern, diese Bedrohung zu beseitigen.
Aber die Leute, die Donald Trump erzählten, dass der Iran schwach, verwundbar und im Grunde leicht zu stürzen sei, sind immer noch da. Und sie gingen zurück zu Präsident Trump und sagten: «Unser Versuch, die Regierung heimlich mit Hilfe der Geheimdienste zu stürzen, ist gescheitert.» Seine Antwort lautete: «Was ist der nächste Schritt?» Das war eine berechtigte Frage – und er bekam eine Antwort. Die Antwort kam sowohl von den Geheimdiensten als auch vom Vorsitzenden der Vereinigten Stabschefs: Wir haben nicht genug Feuerkraft, wir haben nicht genug Streitkräfte zur Verfügung, um irgend etwas im Iran zu bewirken.
Der Grund, warum bisher nichts passiert ist, liegt darin, dass wir [die USA] noch auf zusätzliche Kräfte warten. Wahrscheinlich sind mindestens zwei weitere Flugzeugträgerkampfgruppen auf dem Weg in die Region. Eine davon befindet sich möglicherweise im Mittelmeer, ich weiss es nicht. Eine weitere wird sich sicherlich im Indischen Ozean befinden. Aber ich weiss auch nicht, was auf der Seite der Luftwaffe vor sich geht. Wir dürfen nicht vergessen, dass die eigentliche Stärke hinter den Angriffen auf den Iran nicht von der Flotte auf See ausgeht, sondern von der US-Luftwaffe. Diese wird vermutlich aus grosser Höhe und ausserhalb der Reichweite der iranischen Luft- und Raketenabwehr enorme Feuerkraft in Form von Gleitbomben, Präzisionswaffen und so weiter einsetzen.
Daher halte ich die jetzt einberufenen Gespräche für bedeutungslos. Ich glaube nicht, dass sich die Iraner davon täuschen lassen. Sie nehmen daran teil, weil die Chinesen und Russen gesagt haben: «Geht zu den Gesprächen. Hört euch an, was sie zu sagen haben.» Aber sie haben auch von vornherein klar gemacht, dass die Gesprächspunkte von Herrn Netanjahu, die die Grundlage für die Forderungen von Präsident Trump bilden – zwei dieser drei Gesprächspunkte –, von vornherein [vom Iran] abgelehnt werden. Und zwar geht es um jede Änderung, Demontage oder Umstrukturierung des Raketenarsenals, damit Israel sich keine Sorgen machen muss, in Reichweite iranischer Waffen zu sein. Das steht nicht zur Debatte. Und die Vorstellung, dass der Iran seine Verbündeten in der Region nicht mehr unterstützen oder mit ihnen zusammenarbeiten wird – auch das steht nicht zur Debatte. Das einzige, worüber sie offenbar bereit sind zu sprechen, ist angereichertes Uran. Wie weit kann das gehen? Ich bin mir nicht sicher, ob es sehr weit gehen kann, denn wenn man anfängt, über Anreicherungsgrade, Lagerungsfragen und den Lagerort zu sprechen, ist man auf dem Weg zurück zum JC-POA2, das unter der Obama-Regierung vereinbart wurde. Ich halte diese Gespräche für überhaupt nicht ernsthaft. Ich glaube, sie wollen nur Zeit gewinnen.
Das bringt uns zur nächsten Frage, die die wichtigste ist: Was ist das Ziel der wahrscheinlich bald beginnenden Luft- und Raketenoffensive? Ist es ein Regimewechsel? Sind wir wieder an diesem Punkt angelangt? Oder gibt es noch etwas anderes? Ich denke, es wird weiterhin konzertierte Bemühungen geben, die Regierung aufzuspüren, ins Visier zu nehmen und auszuschalten.
Aber vor allem geht es darum, den Iran zu zerstören. Das müssen die Menschen verstehen. Dies ist ein rücksichtsloser Krieg der Zerstörung. Er soll den Zerfall des iranischen Nationalstaates vorantreiben. Sie glauben, dass sie das schaffen können. Ich habe meine Zweifel. Es handelt sich schliesslich um eine Nation mit 93 Millionen Einwohnern. Das Gebiet ist etwa so gross wie Westeuropa. Natürlich liegen die Gebiete von grösstem Interesse weitgehend im Norden und in der Mitte des Landes. Sie liegen nicht im Süden, was bedeutet, dass die Herausforderung, Ziele zu finden, nicht so gross ist, wie es bei Westeuropa der Fall wäre. Aber es ist dennoch eine erhebliche Herausforderung. Und ich glaube, dass sie genau das vorhaben. Sie wollen diesen Nationalstaat einfach zerstören, ihn spalten und fragmentieren.
Und wieder kommt man zurück zu den Geheimdienstberichten, zu den Leuten, die Donald Trump – und übrigens auch Biden – gesagt haben, dass Russland schwach sei. Russland werde leicht zu besiegen sein. Russland könne dem Druck nicht standhalten. Das Gleiche hören wir jetzt auch über den Iran. Aber der Iran ist nicht Russland, und der Iran hat auch einige sehr gravierende Schwachstellen. Sie kennen sie – Wasser ist ein grosses Problem, ebenso wie die Ernährung der Menschen, die in diesem Land leben. Sie sind auf Lebensmittelimporte angewiesen. Können die Russen und Chinesen dabei helfen? Vielleicht.
Aber ich halte das für eine echte Gefahr für den Iran. Die Frage ist: Können sie [die USA] genug Schaden anrichten, bis jemand aufsteht und sagt: «Es reicht, wir können das nicht mehr ertragen»? Wie reagiert der Iran darauf? Die iranische Antwort lautet, dass sie keinen Anreiz haben, sich zurückzuhalten. Wenn sie also angegriffen werden, werden sie sehr wahrscheinlich alles einsetzen, was sie haben. Die Frage für uns ist, wie effektiv das sein wird. Ich habe immer gesagt, dass die Iraner mit Israel fertig werden können. Aber können die Iraner mit Israel und den Vereinigten Staaten fertig werden, was die militärische Macht angeht? Das ist unklar.
In den letzten Wochen wurden von den Chinesen enorme Mengen an Waffen, Munition, Raketen und so weiter geliefert. Die Russen sind vor Ort und helfen bei der integrierten Luft- und Raketenabwehr. Die Chinesen – und ich nehme an, auch die Russen, obwohl wir nur sicher wissen, dass die Chinesen dies getan haben – haben den Iranern Satellitenbilder und Echtzeit-Daten zur Verfügung gestellt. Die Iraner sind also nicht mehr in derselben Lage wie beim letzten Mal, als sie möglicherweise nicht wussten, wo sich die Angreifer befinden, oder überrascht wurden. Ich denke, sie wissen jetzt, wo sich alles befindet, einschliesslich der Schiffe auf See. Was die Waffen angeht, weiss ich nicht, wie viele dieser Raketen – ich glaube, es handelt sich um die DF-21 oder DF-233 – die Chinesen ausschliesslich für den Einsatz gegen Schiffe auf See hergestellt haben. Wir haben noch nicht gesehen, wie sie eingesetzt werden, und wir wissen nicht, wie effektiv sie sind. Aber angesichts der Leistung des Iran während des zwölftägigen Krieges stellte sich heraus, dass ihre Waffen tatsächlich sehr genau und präzise waren. Ich denke also, dass sie nicht nur alles, was sie haben, auf Israel abfeuern werden, sondern auch definitiv unsere Stützpunkte [der USA] treffen und wahrscheinlich unsere Schiffe auf See angreifen werden.
Was sie [die USA] derzeit offensichtlich machen können, sind massive Bombenangriffe. Nun wissen wir nicht – vielleicht, je nach der Route, die unsere Bomber nehmen, und der Flughöhe –, ob sie verfolgt werden können. Stealth [Tarnkappenbomber] sind nicht das Wunder, für das es die meisten Menschen halten. Stealth, im Sinne des in Flugzeuge integrierten Designs, kann die Erkennung verzögern, aber es kann sie nicht unsichtbar machen. Man kann also die Erkennung für eine gewisse Zeit verzögern. Was wir derzeit nicht beantworten können, ist die Frage, was mit den B-2 [-Bombern] passiert, die das Land überfliegen. B-52 [-Bomber] kann man nur einsetzen, wenn die B-2 sehr effektiv gegen die Luft- und Raketenabwehr sowie gegen kritische Ziele sind. B-52 sind Trägersysteme für eine grosse Anzahl von Bomben, aber sie sind sehr anfällig, weil es sich um alte Flugzeuge handelt. Sie sind leicht zu treffen und abzuschiessen.
Es gibt viele Fragen, die wir nicht beantworten können. Ich weiss nicht, welche Antworten Donald Trump gegeben werden, aber ich vermute, dass er Opfer dessen ist, was ich als «rosiges Szenario» bezeichnen würde.
Der letzte Punkt ist: Wie lange kann das dauern? Ich denke, zehn Tage bis zwei Wochen, denn dann haben wir [die USA] tatsächlich den Boden des Fasses erreicht, was Raketen angeht. Und das ist kein geringfügiges Problem, denn man muss seine Schiffe auf See und seine Stützpunkte zu Hause schützen. Wie viele Raketen kann man sich leisten einzusetzen, bevor man einen inakzeptabel niedrigen und gefährlichen Stand erreicht – insbesondere, wenn China und Russland sich einmischen?
Alle fragen: «Was, glauben Sie, werden China und Russland tun?» Und die einzige Antwort, die ich geben kann, ist, dass es weder China noch Russland zulassen werden, dass der Iran vernichtet wird. Mit anderen Worten: Wenn es so weit kommt, dass der Iran wirklich in Bedrängnis gerät und auseinanderfallen könnte, dann werden Russland und China meiner Meinung nach handeln. Wie wird dieses Handeln aussehen? Es wird nicht nuklear sein, aber es könnte sehr leicht zu einer Kollision auf See kommen, da sowohl China als auch Russland über zahlreiche U-Boote verfügen – und wir sind nicht besonders gut darin, moderne atomgetriebene U-Boote in tiefen Gewässern aufzuspüren.
Ich denke, die Menschen sehen China oft als sehr vorsichtig an, und ich würde dem zustimmen. Aber den Iran auf diese Weise fallen zu lassen, hat nichts mit Vorsicht zu tun – es ist extrem gefährlich [für China]. Es ist schwer vorstellbar, dass entweder der Iran oder China direkt gegen die Vereinigten Staaten vorgehen wollen, aber es muss etwas unternommen werden, um den Zusammenbruch des Iran zu verhindern. Da der Iran alles auf eine Karte setzen würde, da er dies als existentiell ansieht, wird er keine begrenzte «bloody nose»-Attacke akzeptieren, die den Krieg beenden könnte. Und da sich die Chinesen und Russen eine Balkanisierung oder Zerstörung des Iran nicht leisten können, glauben Sie, dass der Krieg dennoch stattfinden würde? Ich habe gehört, dass einige meinen, Trump versuche, dies rückgängig zu machen. Oder ist es jetzt einfach zu spät?
Ich weiss nicht, ob es unbedingt zu spät ist. Ich denke, die Entscheidung ist gefallen – das war mein Punkt bezüglich der Gespräche. Ich halte die Gespräche für überhaupt nicht ernsthaft. Ich denke, es ist nur eine Frage der Zeit, bis mehr Kräfte für einen Angriff zusammengezogen werden, eine Herausforderung, die offensichtlich viel grösser sein wird, als ursprünglich angenommen. Ich glaube, sie dachten, es würde ihnen leichter fallen, das Regime zu destabilisieren und letztendlich zu zerstören. Sie hatten alles zusammengezogen, was sie ihrer Meinung nach brauchten, um das Regime anzugreifen, als sie überzeugt waren, dass es sehr, sehr verwundbar war. Das stellte sich als falsch heraus.
Nun gibt es noch etwas anderes, das erwähnenswert ist, weil wir es nicht oft zur Sprache bringen. Ich habe festgestellt, dass der Ayatollah – der oberste Führer, wie auch immer man ihn nennen mag –, der eigentlich sehr rational spricht, wenn man ihm genau zuhört, deutlich gemacht hat, dass dieser Krieg nicht wie der letzte sein wird. Es wird ein regionaler Krieg sein. Nun interpretieren die Leute das so, dass die Iraner alle Stützpunkte in der Region angreifen und letztendlich auch Schiffe auf See ins Visier nehmen können. Das ist ein Teil davon.
Aber ich glaube nicht, dass wir die Region angemessen betrachten. Und ich spreche hier speziell von der Türkei. Die Türken sind aus mehreren Gründen sehr besorgt. Erstens sehen sie keinen Vorteil in der Zerstörung des Iran. Sie gehen davon aus, dass sie im Falle eines Zerfalls oder einer Spaltung des Iran mit Zehntausenden – vielleicht sogar Millionen – von Flüchtlingen überflutet werden. Das gilt wahrscheinlich auch für den Irak und die anderen arabischen Nachbarstaaten. Keiner dieser Staaten möchte sich damit konfrontiert sehen. Und ehrlich gesagt, würden viele dieser Menschen wahrscheinlich nach Europa weiterreisen. Ich wäre sehr überrascht, wenn das nicht passieren würde. Die Türken wollen damit nichts zu tun haben.
Zweitens haben die Türken derzeit in Syrien und in geringerem Masse auch in Libanon mit den Israeli zu tun. Sie wissen, worum es beim Projekt «Gross-Israel» geht. Die Bevölkerung der Türkei selbst ist empört über die Ereignisse in Gaza. Der Hass auf die Israeli in der Türkei ist so gross, dass man ihn mit einem Messer schneiden könnte. In Istanbul gibt es eine Ausstellung – vergleichbar mit dem Holocaust-Museum, so etwas in der Art. Und diese Ausstellung dreht sich ausschliesslich um Gaza. Ich habe sie selbst noch nicht gesehen, aber ich habe Freunde und Verwandte, die dort waren, und sie haben mir erzählt, dass sie absolut schockierend ist. Die Bilder von ermordeten Kindern, der hungernden Bevölkerung, der Zerstörung – es ist erschütternd. Die türkische Bevölkerung strömt zu dieser Ausstellung in Istanbul, und über sie wird in der ganzen Türkei berichtet.
Und um ehrlich zu sein, die Türkei ist bereit zu kämpfen. Wenn man also in der Türkei sitzt und sieht, dass die Lage im Iran so schlimm ist, dass das Land tatsächlich auseinanderfallen und zerfallen könnte – wartet man dann darauf, als Nächster auf der Liste zu stehen? Denn aus türkischer Sicht bleibt nur noch, sich gegen die jüdische Vorherrschaft Israels in der Region zu stellen, wenn der Iran untergeht. Und ich glaube nicht, dass die Türken damit allein sein wollen. Was würden Sie in dieser Situation als Türke tun?Nun, man würde auch mit den Russen und den Chinesen sprechen.
Die Russen haben viel in die Türkei investiert – sie bauen dort ein Kernkraftwerk. Sie hatten ihre Höhen und Tiefen mit den Türken, aber dies ist eine existentielle Frage. Ich denke, dass die Russen, die Türken und die Chinesen irgendwann eine Lösung finden und sich gemeinsam gegen die Zerstörung des Iran stellen werden. […] Mit anderen Worten: Dies ist eine Katastrophe auf regionaler Ebene, die letztendlich übergreifen und fast globale Ausmasse annehmen könnte. Das ist die schlechte Nachricht.
Und ich glaube nicht, dass man sich dessen im Weissen Haus bewusst ist. Ich denke, man hat es wieder einmal mit Leuten zu tun, die genau wie im Fall Russlands sagen: «Es ist schwach, es ist dies, es ist das. Niemand wird uns herausfordern. Niemand wird sich uns entgegenstellen.» Was ist beim letzten Mal passiert? Haben die Chinesen oder die Russen etwas unternommen? Die Antwort lautet nein. Aber beim letzten Mal ging es nicht um eine existentielle Frage. Das letzte Mal war nach zwölf Tagen vorbei.
Ich glaube nicht, dass Präsident Trump will, dass dies geschieht. Das glaube ich wirklich nicht. Aber ich glaube auch nicht, dass er eine grosse Wahl hat. Ich glaube, er ist ein Gefangener seiner Verpflichtungen gegenüber anderen aus den letzten Jahren, die ihn schliesslich ins Weisse Haus gebracht haben. Daher glaube ich nicht, dass er sich davon zurückziehen kann.
Eine der grössten Schwächen ist meiner Meinung nach diese Illusion der Eskalationskontrolle. Es ist ähnlich wie in Europa – die Vorstellung, dass wir den Krieg gegen Russland einfach auf Sparflamme halten können, dass sie sich langsam gegenseitig umbringen und wir das Ganze jederzeit am Verhandlungstisch oder wo auch immer beenden können. Aber es scheint, als könnte dies jederzeit explodieren. Wenn die Frontlinien [in der Ukraine] zusammenbrechen, wie es derzeit der Fall zu sein scheint, und die Russen grosse Fortschritte machen, ist es schwer vorstellbar, warum sie einen Kompromiss akzeptieren sollten, der es der Nato ermöglichen würde, die ukrainische Frontlinie gegen Russland in Zukunft wiederzubeleben.
Das Gleiche gilt für den Iran. Ich denke, wenn dieser Krieg einmal begonnen hat und dasselbe passiert, würden den USA oder Israel die Raketen ausgehen. Ich glaube nicht, dass man einfach die Pause-Taste drücken und sechs Monate später wieder weiterkämpfen kann. Es wäre sehr schwierig, diese Sache unter Kontrolle zu bringen. Auch hier scheint also die Illusion der Eskalationskontrolle ein Problem zu sein. […]
Ich möchte noch eine Beobachtung wiedergeben, die mir vor einigen Stunden von jemandem mitgeteilt wurde, der viele, viele Stunden – vielleicht sogar Hunderte – damit verbracht hat, Videos und Reden von Präsident Putin anzuschauen. Er wies auf etwas hin, das ich sehr interessant fand. Ihnen ist sicherlich bewusst, dass der 2. Februar der Jahrestag des Falls von Stalingrad ist. […] Putin nahm an der Gedenkfeier in Stalingrad teil. Und dieser Mann bemerkte, dass es nicht so sehr darum ging, was Putin sagte, was vorhersehbar war, sondern dass er ihn noch nie zuvor so ernst gesehen hatte. Nicht nur tief bewegt von dem Ereignis – das ist in Russland nichts Ungewöhnliches –, sondern besonders ernst, fast niedergeschlagen in seiner Haltung und seinem Ausdruck.
Er brachte dies mit einigen Diskussionen in Verbindung, die in Russland unter verschiedenen Personen geführt werden, und deutete an, dass Präsident Putin möglicherweise an einem Punkt angelangt ist, an dem er nicht mehr sicher ist, ob es noch viel Hoffnung auf irgendeine Art von – nun, ich möchte nicht sagen Versöhnung – aber irgendeine Art von nützlicher Vereinbarung mit Washington gibt. Ich glaube, Präsident Putin ist nun zu dem Schluss gekommen, dass Russland sich möglicherweise gegen uns [die USA] stellen muss.
[…] Ich sage das, weil es im Westen viele Menschen gibt, die die Russen nicht verstehen und ganz sicher Präsident Putin nicht verstehen. Ich würde jedem dringend empfehlen, sich die Zeit zu nehmen, sich die Gedenkfeier vom 2. Februar anzusehen und ihn sehr genau zu beobachten – nicht nur die übersetzten Aussagen, sondern auch ihn selbst, seine Körperhaltung, sein Verhalten. Er ist sehr, sehr ernst. Ich denke, er meint es sehr ernst, und ich würde das zur Kenntnis nehmen, wenn ich in Washington wäre. […] •
1 https://www.youtube.com/watch?v=EiWA-woB7ANM vom 5.2.2026
2 JCPOA: Der Joint Comprehensive Plan of Action zur Überwachung und Beschränkung des iranischen Atomprogramms bei gleichzeitigerAufhebung der Sanktionen wurde 2015 von den Regierungen des Iran, der USA, Russlands, Chinas, Grossbritanniens, Frankreichs, Deutschlands und der EU vereinbart, 2018 aber vom US-Präsident Trump aufgekündigt.
3 DF-21 und DF-23 sind chinesische Mittelstreckenraketen.
Quelle: www.video-translations.org/transcripts/2786_Diesen_2026_02_05.pdf
(gekürzt, sprachlich überarbeitet und Übersetzung Zeit-Fragen)
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Fax +41 44 350 65 51
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Quelle: Zeit-Fragen Genossenschaft - Mit freundlicher Genehmigung übernommen. Youtube-Quelle: 1https://www.youtube.com/watch?v=EiWA-woB7ANMvom 5.2.2026





























































