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19.01.2026 Von Martin Leo
19. Januar 2026

Ein Leserbrief zu Grönland von Martin Leo


Ist Grönland nur eines von Trumps Spielen? Vermutlich nicht. Er macht hier einen klaren Unterschied: Es reicht nicht, dass "Europa" und die "Nato" im Besitz der Insel sind. Es müssen die USA selbst sein.

Die USA führen die Nato. Die anderen werden daran erinnert, dass Vasallen sich unterwerfen und Tribut zahlen müssen, wenn sie "Schutz" wollen. Der Tribut wird Grönland sein, sie werden es bekommen und danach wird es weiter gehen. Sie werden es bekommen, weil Europa gar nicht (mehr) in der Lage ist, sich zu wehren.

Unsere Monarchen sind Fremdherrscher. Sie können vom Imperium abgesetzt und ersetzt werden. Von Volkswiderstand sind wir noch weit entfernt. Wir müssen erst verstehen, wo wir uns befinden. Unsere Herrschaft hat sich selbst verkauft und uns dazu.

Die USA konnten im Krieg gegen Russland nichts verlieren. Sie konnten immer nur gewinnen. Wenn sie sich schon nicht gegen Russland mit Hilfe der Europäer und der Ukrainer durchsetzen konnten, dann wenigstens gegen die Europäer. Diese haben ihre wichtigsten Spielkarten verbrannt, die ihnen den Ausweg über Russland und China ermöglichten. Sie müssen jetzt von den USA die teuerste Energie kaufen. Verheerend wäre eine Energiesperre durch die USA. Sie, unsere herrschende Klasse, hat sich und uns in eine strategische Sackgasse manövriert.

Würden sie tatsächlich jetzt einen Ausweg suchen, müssten sie umgehend die Beziehungen zu Russland wieder herstellen.

Könnten sie das, selbst wenn sie es wollten? Könnten sie das mit amerikanischen Truppen in Europa? Und könnten sie das ohne den energischen Druck aus der Bevölkerung?

Wir finden uns wieder in einer Situation wie die Lateinamerikaner und andere Völker, die seit Jahrzehnten die Bedrückung durch eigene und fremde Oligarchien bekämpfen. Wir denken noch, wir seien "Verbündete" der USA. Sie werden uns noch stärker zeigen, dass das kein Privileg ist. Wir sind bevorzugte Opfer.

Wir befinden uns deswegen auch in einer echten Konfrontation mit dem amerikanischen Imperialismus, die unsere Gesellschaft realisieren muss. Das zwingt uns in eine Auseinandersetzung, in der es wie in der "Dritten Welt" und im Globalen Süden um eine antiimperialistische Front geht. Wir gehören dazu.

Unsere herrschende Klasse ist abhängig, korrupt und geistig verkommen wie jene in Lateinamerika. Je eher wir das begreifen, desto besser für die Orientierung, die wir benötigen.

Martin Leo

Martin Leo, Jahrgang 1955, Diplom-Politologe, lebt als Rentner in Portugal, arbeitete für die Unterbringung und Betreuung von Flüchtlingen und Wohnungslosen in Hamburg