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Baerbocks schäbige Buchkultur

Das Internet hat die Kultur der Quellenverweise aufgewertet. Doch eine Kanzlerkandidatin foutiert sich darum.
Rainer Stadler / 8.07.2021 Infosperber
08. Juli 2021
Der deutsche Innenminister Horst Seehofer hat am Mittwoch die wegen Plagiatsvorwürfen in Bedrängnis geratene Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock in Schutz genommen. Der «Süddeutschen Zeitung» sagte er: «Wie viele Bücher sind geschrieben worden, bei denen man aus Programmen, aus anderen Konzepten einfach Dinge wiedergibt. Und nachdem es keine wissenschaftliche Arbeit ist, ist man auch nicht verpflichtet, die Quelle anzugeben.» Ähnlich hat sich die Kritisierte geäussert. In der Talkshow «Brigitte live» meinte Baerbock: «Aber da es kein Sachbuch oder wissenschaftliche Arbeit ist, gibt es gar keine Fussnoten in diesem Buch.»

Das Buch der Kanzlerkandidatin befasst sich mit politischen und gesellschaftlichen Themen, auch mit dem Klimawandel und der Digitalisierung. Sie äussert sich also zur öffentlichen Sache. Ob man einen solchen Text als Sachbuch bezeichnen soll oder nicht, ist Nebensache. Nachdenklich stimmt allerdings die Behauptung, nur in wissenschaftlichen Werken müssten Quellen genannt werden. Dies umso mehr, als sich hier zwei prominente Personen eines Landes äussern, das sich auch als Kulturnation versteht.

Gerade dank dem Internet hat die Quelle in vielerlei Zusammenhängen einen neuen Wert erhalten. Die Qualität eines Textes nimmt zu, je besser ein Autor oder eine Autorin mit Links auf die Herkunft von Gedanken, Informationen und Daten verweist. Links sind nicht nur eine geistige Bereicherung, sondern auch ein Zeichen der Transparenz. Es ist keine Schande zuzugeben, dass nicht alles auf dem eigenen Mist gewachsen ist.

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