Viktor Orbáns Rede auf der 34. Freien Sommeruniversität und dem Sommerstudentenlager in Bálványos

Bálványos
Guten Tag, sehr geehrte Damen und Herren! Sehr geehrte Teilnehmer der Sommeruniversität!
Dies ist unsere letzte Rede in dieser Legislaturperiode: die Rede zum Abschluss der Legislaturperiode. Ich habe vor, dass wir nächstes Jahr hier die Rede zur Eröffnung der Legislaturperiode halten werden. Der Abschluss einer Legislaturperiode ist eine Art Zusammenfassung. Auch ich kann mich dem nicht entziehen. Hinzu kommt, dass die Welt Kopf steht und es spannende aktuelle Ereignisse gibt, sodass ich viel zu sagen habe, aber nur wenig Zeit und einen strengen Moderator. Ich schlage vor, dass wir zunächst die obligatorischen aktuellen Themen abhandeln und dann tiefer in die Materie einsteigen. Mal sehen, wie lange wir durchhalten, bzw. wie lange Sie es dort aushalten – in der Sonne grillend.
Das erste aktuelle Thema sind die Wahlen in Ungarn im nächsten Jahr. Demokratie bedeutet, dass alle Wahlen offen sind. Das ist das Schöne und das Gefährliche daran. Es gibt niemals eine Garantie. Wer eine Garantie für den Sieg will, hat sich in der Hausnummer geirrt. Es wird so kommen, wie die Menschen entscheiden werden. Heute kann ich Ihnen sagen: Nach unseren eigenen internen Umfragen würden wir acht Monate vor den Wahlen, wenn sie heute Sonntag wären, 80 der 106 Einzelwahlkreise gewinnen. Das ist ein überwältigender Sieg und eine erdrutschartige Mehrheit, aber damit bin ich nicht zufrieden. Ich bitte Sie, dass Sie es auch nicht sind, denn 2022 haben wir 87 Wahlkreise gewonnen. Warum sollten wir uns 2026 mit weniger zufrieden geben? Wir werden nicht weniger anstreben!
Ich möchte Sie daran erinnern, dass jede Wahl in Ungarn für die Ungarn im Ausland das größte Risiko darstellt. Man hat immer die Wahl zwischen zwei Schicksalen. Das Credo der von Brüssel aus gesteuerten ungarischen Opposition wurde bereits bei ihrem Besuch in Nagyvárad verkündet, als sie nur sagten: „Rumänischer Boden.“ Wer Ohren hat, der hört, was das bedeutet. Wir vertreten das Gegenteil dessen. Wir sagen, dass der Staat Grenzen hat, die Nation aber nicht, deshalb kann man immer auf die nationale Regierung zählen, wir setzen uns für die Ungarn ein, wir werden auch für Sie kämpfen, und ich bitte auch Sie, sich für Ihre eigene Zukunft einzusetzen.
Zweite aktuelle Entwicklung: Vorgestern, genauer gesagt am späten Mittwochabend, traf ich mich mit dem neuen Ministerpräsidenten Rumäniens. Dazu möchte ich kurz etwas sagen. Er ist mein 24. Kollege. Aber ich hoffe, dass wir Ungarn unsere Fairness noch nicht ganz verloren haben. Und wir fügen hinzu, dass die Stabilität des rumänischen politischen Systems – im Gegensatz zum ungarischen – nicht durch die Stabilität der Regierungen und die Beständigkeit der Ministerpräsidenten gegeben ist, sondern durch die Staatspräsidenten, daher sollte man aus dieser Zahl keine voreiligen Schlüsse ziehen.
Auch die Rumänen haben ihre politischen Fähigkeiten, um die Stabilität ihres Systems zu gewährleisten. Ich kann Ihnen sagen, dass ich einen einflussreichen Politiker getroffen habe, einen Mann aus Nagyvárad (Oradea), der sich im gleichen Codesystem und kulturellen Muster bewegt wie wir, einen rumänischen Patrioten, der für die nationalen Interessen Rumäniens kämpfen wird – daran besteht kein Zweifel –, der aber gleichzeitig gemeinsame rumänisch-ungarische Erfolge anstrebt, an gemeinsamen rumänisch-ungarischen Erfolgen interessiert ist und sich dafür auch einsetzen wird. Es gibt also Chancen für eine gute Zusammenarbeit, wenn Rumänien seiner schwierigen wirtschaftlichen Lage Herr werden kann, die ich nicht bewerten möchte, aber ich kann sagen, dass ich einen Ministerpräsidenten getroffen habe, der die Chance hat, diese Herausforderung zu meistern.
Drittens, die dritte aktuelle Frage: Es sorgt zu Hause für Unruhe, dass wir eine antisemitische und den Terrorismus verherrlichende Rockband aus Ungarn verbannt haben. Es ist wichtig zu sagen, dass Ungarn eine Insel der Freiheit und des Friedens in einer chaotischen Welt ist; bei uns darf niemand wegen seiner Herkunft oder Religion angegriffen werden – nicht einmal verbal. Die Organisatoren hätten so viel Verstand haben können, sie nicht einzuladen und Ungarn nicht in eine solche Situation zu bringen. Es gibt hier jedoch ein Phänomen in der Showbranche in Ungarn. Der eine bezeichnet diejenigen, die ihm nicht gefallen, als „Einzeller“, der andere schießt auf der Bühne den Ministerpräsidenten in den Kopf, der dritte lädt eine antisemitische, terrorunterstützende Band ein – es ist also offensichtlich, dass hier, kurz vor den Wahlen, etwas in der ungarischen Showbranche aus dem Ruder gelaufen ist. Ich verstehe, dass jeder von Geld lebt, aber Geld kann doch nicht derart wichtig sein.
Vierte Aktualität: Ich nutze diese Gelegenheit und die heutige erhöhte Aufmerksamkeit, um die Gründung digitaler Bürgerkreise anzukündigen. Den digitalen Bürgerkreis mit der Nummer 1 haben wir bereits gegründet. Wenn ich am Ende meiner heutigen Rede das Mikrofon niederlege, wird dieser erste digitale Bürgerkreis und seine Website bereits online sein, und alle Informationen werden dort verfügbar sein.
Die Gründung digitaler Bürgerkreise hat zwar eine Bedeutung für die Wahlen, geht aber weit darüber hinaus, denn wir als rechte, bürgerliche, christliche, konservative und nationale Gemeinschaft in Ungarn müssen auch im virtuellen Raum etwas unternehmen. Heute ist dies ein feindliches Terrain, und das ist nicht gut. Wir brauchen eine digitale bürgerliche Kraft! Sie haben sicher auch bemerkt, dass sich in den letzten anderthalb Jahrzehnten etwas in der Welt verändert hat. Wir haben die Cafés gegen Webcams getauscht, die Treffen mit Freunden gegen Foren, Gespräche gegen Chatfenster, und wenn etwas nicht im Internet seinen Beginn hat, wird es nichts.
Dieser Wandel ist über die gesamte westliche Welt hinweggefegt. Das ist nichts spezifisch Ungarisches. Es gibt jedoch etwas, das spezifisch ungarisch ist: Grobheit, Beleidigungen, Trolling und digitale Gewalt. Wer sich zu einer bürgerlichen, nicht linken, nicht progressiven, nicht liberalen Überzeugung bekennt, wird angegriffen, verspottet und in seiner Würde verletzt. Trolling, Zerstörung, Spaltung und darauf aufbauende digitale Gemeinschaften beherrschen den digitalen Raum.
Wir müssen also etwas tun, unsere Gemeinschaften müssen neu organisiert werden, um den Anforderungen der modernen Zeit gerecht zu werden. Wir müssen erkennen, dass eine Gemeinschaft nur dann funktioniert, wenn sie eine digitale Basis hat. Wir müssen ein Gegengewicht zur Kultur der Zerstörung schaffen: eine Kultur des Aufbaus, der Landesgestaltung, der Kreativität und der Liebe zum Vaterland, auch im digitalen Raum. Gegen die gezielte digitale Aggression der Tisza-Partei haben wir bereits den „Fight Club” gegründet, und das ist wichtig, aber der Kampf ist nicht jedermanns Sache. Manche haben ausgesprochen genug von Konflikten.
Deshalb brauchen auch diejenigen einen Ort, einen Raum, die sich nicht an unmittelbaren politischen Kämpfen beteiligen wollen, aber am Aufbau des Landes mitwirken möchten. Wir brauchen einen Raum, eine Stütze, wir brauchen politischen und gemeinschaftlichen Schutz, wir brauchen viele digitale Bürgerkreise.
Sehr geehrte Bewohner des Sommerlagers!
Dies ist auch aus Sicht der nationalen Souveränität von Bedeutung, da Globalisten, Linke und Kriegstreiber bereits alle dort im digitalen Raum ihr Unwesen treiben. Auch wir brauchen eine digitale Landnahme. Wir müssen ein Immunsystem schaffen, wir müssen unseren moralischen Quellcode und unseren nationalen Algorithmus entwickeln. Auf geht’s, digitale Bürgerkreise!
Der fünfte aktuelle Punkt: Zu Hause gibt es eine Debatte darüber, was die Ungarn mit dem Sieg von Donald Trump gewonnen haben. Dazu möchte ich etwas sagen und Ihnen sagen, dass wir mit seinem Sieg zunächst einmal einen Weltkrieg vermeiden konnten – vorerst. Die politische Diskriminierung Ungarns wurde beendet, die Wirtschaftssanktionen gegen das Kernkraftwerk Paks wurden aufgehoben – damit können wir es beenden – und amerikanische Investitionen in Ungarn sind angelaufen; bisher gab es vier bedeutende Investitionen im Bereich Forschung und Entwicklung, und im September werden drei weitere erwartet.
Nun, verehrte Lagerbewohner, wir können uns hier von den oberflächlich Interessierten und der Presse verabschieden und uns den ernsten Dingen zuwenden.
Wird es einen Weltkrieg geben?
Es gibt keine sichere Antwort. Mit dem Amtsantritt von Herrn Präsident Trump ist die Wahrscheinlichkeit gesunken, aber sie ist nicht verschwunden.
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Russische Version hier: https://miniszterelnok.hu/en/lecture-of-prime-minister-viktor-orban-at-the-34th-balvanyos-summer-free-university-and-student-camp-ru/
Englische Version hier: https://miniszterelnok.hu/en/lecture-of-prime-minister-viktor-orban-at-the-34th-balvanyos-summer-free-university-and-student-camp/
Französische Version hier: https://miniszterelnok.hu/en/conference-de-viktor-orban-a-la-xxxiveme-universite-dete-et-camp-detudiant-de-balvanyos/





































































