Pepe Escobar: Zehn Verteidigungsminister betreten einen Raum in China…
(Red.) Nicht ein einziges Sterbenswörtchen war in unseren Qualitätsmedien zu vernehmen (klar, die wissen ja überhaupt nicht, um was es geht und dürfen es auch gar nicht wissen): In China hat die SCO getagt - zufällig gleichzeitig mit dem NATO-Gipfel-Theater. Asien und Eurasien rüsten sich gegen die bevorstehenden Angriffe des sterbenden Imperiums, der seinen eigenen Untergang als Sieg zelebriert - und Europa soll das Spektakel bezahlen. Und die Journaille hält sich brav ans Rede- und Schreibgebot(am)
Die Verteidigungsminister aller zehn Mitglieder der Shanghai Cooperation Organization (SCO) trafen sich letzte Woche in Qingdao in der chinesischen Provinz Shandong.
Das allein ist schon dramatisch genug. Nicht nur, weil es eine Vorbereitung für den wichtigsten SCO-Gipfel mit den Staatschefs später in diesem Jahr in Tianjin war. Sondern vor allem, weil an einem Tisch die führenden BRICS-Mitglieder Russland, China, Indien und Iran sowie Pakistan saßen, weil der indische Verteidigungsminister zum ersten Mal seit fünf Jahren China besuchte und seinem pakistanischen Amtskollegen nach den jüngsten schweren Schusswechseln gegenüberstand und weil der iranische Minister unmittelbar nach dem von US-Präsident Trump inszenierten Waffenruhe-Kabuki zwischen Israel und Iran intensive Gespräche mit Peking führte.
Als wäre das noch nicht spannend genug, fand das SCO-Treffen in Qingdao fast zeitgleich mit dem NATO-Gipfel in Den Haag statt.
Der pakistanische Verteidigungsminister Khawaja Muhammad Asif brachte es auf den Punkt, als er bemerkte, dass die SCO im Gegensatz zur NATO „den Frieden in dieser Region fördern“ könne. Chinas Verteidigungsminister Dong Jun betonte, dass die SCO die Rolle eines „stabilisierenden Ankers“ spiele.
Der nun (dank US-Präsident Donald Trump) zersplitterte kollektive Westen hat keine Ahnung, worum es bei der SCO überhaupt geht. Die SCO ist eine 25 Jahre alte multilaterale Organisation, die wenige Monate vor dem 11. September 2001 gegründet wurde und aus zehn Vollmitgliedstaaten, zwei Beobachterstaaten und 14 Dialogpartnern besteht: fast die Hälfte der Weltbevölkerung, von Osteuropa (Ungarn) bis zum Indischen Ozean und zum Pazifikraum.
Die SCO ist keine asiatische NATO – also kein offensives Militärbündnis, und das will sie auch gar nicht sein; vielmehr möchte sie sich, in einer typisch chinesischen Formulierung, als „riesiges Schiff der Sicherheit“ verstehen.
Ursprünglich konzipiert, um gegen das zu kämpfen, was die Chinesen als die „drei Übel“ bezeichnen – Terrorismus, Separatismus und Extremismus –, hat sich die SCO zu einem Mechanismus der wirtschaftlichen Zusammenarbeit entwickelt. Ihre letzte Rundtischdiskussion auf dem St. Petersburger Wirtschaftsforum vor weniger als zwei Wochen wurde beispielsweise vom SCO-Generalsekretär Nurlan Yermekbayev geleitet, moderiert vom äußerst erfahrenen Sergey Katyrin, Präsident der russischen Industrie- und Handelskammer, und konzentrierte sich auf die Herausforderungen bei der Schaffung einer gemeinsamen Logistik-, Finanz- und Energieinfrastruktur der SCO.
Diese Podiumsdiskussion, moderiert von Alexey Gromyko [Anm. des Übersetzers: Alexey Gromyko ist der Enkel des ehemaligen sowjetischen Staatsoberhauptes und Außenministers Andrei Andrejewitsch Gromyko. Sein Vater war der Diplomat Anatoli Andrejewitsch Gromyko (1932 –2017), ebenfalls Historiker und Mitglied der russischen Akademie.], Direktor des Instituts für Europa der Russischen Akademie der Wissenschaften, und mit dem Sekretär der Union (Russland-Weißrussland) Sergey Glazyev als Hauptredner, verband die SCO mit der Eurasischen Wirtschaftsunion (EAEU) und diskutierte, welche Rolle der postsowjetische Raum in der entstehenden multipolaren Wirtschaft spielen soll.
So fördert die SCO heute nicht nur gemeinsame Anti-Terror-Übungen und den Austausch von Geheimdienstinformationen, sondern auch eine wirtschaftliche Zusammenarbeit, die auf die kulturellen Erwartungen verschiedener Zivilisationen abgestimmt ist. Sie ist per Definition ein multipolarer Organismus.
Strategische Partner Russland und China kommen an Bord
Im Mittelpunkt der Gespräche in Qingdao stand das sogenannte Primakov-Dreieck – eine Anspielung auf den ehemaligen russischen Premierminister Jewgeni Primakow, der eine postsowjetische, autonome russische Großmacht in einer neuen multipolaren Weltordnung vorsah. Heute sehen wir diese Vorausschau in einer „RIC“-Konstellation, die aus Russland, Iran und China besteht, nicht Indien: Diese drei unabhängigen Zivilisationsstaaten sind derzeit die drei wichtigsten Akteure, die den komplexen Integrationsprozess in Eurasien vorantreiben.
Der russische Verteidigungsminister Andrej Belousov traf sich privat mit dem chinesischen Verteidigungsminister Dong Jun sowie mit dem iranischen Verteidigungsminister Aziz Nazirzadeh. Am Tisch der SCO nahm Belousov kein Blatt vor den Mund.
Er sagte, dass die Angriffe der USA und Israels auf den Iran gegen die UN-Charta und das Völkerrecht verstoßen, bestätigte, dass Moskau eine Deeskalation vorgeschlagen habe, und betonte erneut, dass „die Rolle der internationalen Institutionen, die für die Gewährleistung der globalen Stabilität zuständig sind, auf ein inakzeptables Niveau gesunken ist“.
Belousov betonte auch das größte Problem aller zehn Minister: dass sich „terroristische Ideologien“ und der „Transit militanter Kämpfer“ weiterhin von Westasien nach Afghanistan ausbreiten.
In Bezug auf die Ukraine war Belousov recht klar: Russland schreitet stetig voran, und Kiew greift angesichts seines drohenden Untergangs zu „Terror-Taktiken“. Keiner der Akteure am SCO-Tisch würde ihm widersprechen.
Wo stand Indien inmitten all dieser Aktivitäten? Nun, es verfeinerte seine Einkaufsliste. Verteidigungsminister Rajnath Singh bat Belousov persönlich um dringende Upgrades für die Su-30MKI und eine deutlich schnellere Lieferung der restlichen S-400 Triumf. Diese sind Teil eines umfangreichen Vertrags im Wert von 5,43 Milliarden Dollar; drei Einheiten wurden bereits geliefert, die nächsten beiden sollen bis Anfang 2026 eintreffen.
Diese S-400-Systeme spielten eine entscheidende Rolle während der Operation Sindoor – Indiens Minikrieg gegen Pakistan.
Unmittelbar nach Trumps „Waffenruhe“ zwischen Israel und dem Iran wandte sich Teheran an Peking, um die Kaufoptionen für eine beträchtliche Anzahl (mindestens 40) chinesischer J-10CE-Kampfflugzeuge (die Exportversion der J-10C) zu prüfen. Diese Verhandlungen laufen übrigens schon seit mindestens zehn Jahren.
Aus iranischer Sicht könnte die J-10C aufgrund ihrer geringen Kosten und ihrer Verfügbarkeit eine bessere Option sein als die russischen MiG-35 und Su-35E (die Exportversion der Su-35S). Es ist jedoch wichtig, sich vor Augen zu halten, dass die Su-35 und die J-10C zwei verschiedene Klassen von Kampfflugzeugen darstellen. Nichts hindert die Islamische Revolutionsgarde (IRGC) des Iran daran, beide zu kaufen – ein Fall von interagierenden strategischen Partnerschaften.
Diplomatische Quellen bestätigen, dass der Iran bereits über Su-35 verfügt. Es ist unklar, wie viele, aber sicherlich mehr als zwei. Russland ist mehr als bereit, bis zu zwei Staffeln zu verkaufen. Jede Staffel würde 12 Flugzeuge umfassen, also insgesamt 24 Jets.
In Moskau herrscht Einigkeit darüber, dass der Iran gleichzeitig den Kauf von russischen und chinesischen Kampfjets der Spitzenklasse vorantreiben wird. Und sicherlich auch Luftabwehrsysteme wie die russischen S-400. Das Drama, das sich in den letzten zwei Wochen abgespielt hat, geht weit über die künstliche und oberflächliche Debatte darüber hinaus, ob Teheran die Hilfe seiner engen strategischen Verbündeten Russland und China fehlte.
Die IRGC will diese Kampfflugzeuge nach den schmerzhaften Erfahrungen des 12-tägigen Krieges mit Israel, aber vor allem muss sie ihren internen Geheimdienst und ihren Aufstandsbekämpfungsapparat optimieren. Ein erheblicher Teil der Verluste, die der Iran erlitten hat, ist auf Saboteure im eigenen Land zurückzuführen, die Drohnen gestartet, Bomben gelegt und wichtige Ziele für Anschläge ausgekundschaftet haben.
Wir wollen Krieg gegen Russland und China
Vergleichen Sie nun all diese eurasischen Interaktionen in Qingdao mit den Ereignissen in Den Haag. Im Wesentlichen hat die Europäische Union (EU), nachdem sie von dem entsetzlichen NATO-Generalsekretär Mark „Hallo Daddy“ Rutte erpresst wurde, beschlossen, satte 650 Milliarden Euro (etwa 695,5 Milliarden Dollar) an Geldern, die sie nicht hat, für den Kauf von US-Waffen auszugeben, um Russland – und später China – den Krieg zu erklären.
Das bringt uns zum Fünf-Prozent-Kabuki-Theater. Damit jedes NATO-Mitglied fünf Prozent für Offensive ausgeben kann, müsste es bei einer Gesamtverschuldung von bereits über 80 Prozent des BIP die 325 Milliarden Euro (etwa 381,2 Milliarden Dollar), die es 2024 für Waffen ausgegeben hat, fast verdreifachen und damit fast eine Billion Euro erreichen.
EU-Bürger mit Verstand können sich leicht ausrechnen: Es wird eine ununterbrochene Orgie von „Kürzungen”, Steuererhöhungen und dem Abbau sozialer Leistungen geben, um die Aufrüstung zu finanzieren. Und der Diebstahl von 300 Milliarden Euro (ca. 351,75 Milliarden Dollar) russischer Vermögenswerte wird nicht helfen, da dies nicht einmal die Erhöhung für ein Jahr decken würde.
Alle Minister am Verhandlungstisch der SCO in Qingdao wussten, dass die NATO sich im Krieg mit Russland befindet, und dann kommt China nicht einmal mehr als schlechte Monty-Python-Parodie durch. Russland verfügt bereits über 13.000 Raketen, Tendenz steigend, und wird bald in der Lage sein, bis zu 300 Hyperschallraketen vom Typ Oreshnik pro Jahr zu produzieren – mehr als genug, um jeden einzelnen Hafen und Flughafen in Europa lahmzulegen.
Es war sehr interessant, die unmittelbare Reaktion des russischen Präsidenten Wladimir Putin auf die Diskussionen bei der SCO in Qingdao zu beobachten. Auf dem Forum der Eurasischen Wirtschaftsunion (EAEU) in Minsk sagte Putin: „Glücklicherweise stabilisiert sich die Lage im Nahen Osten. Der langjährige Konflikt zwischen Israel und dem Iran liegt dank Gottes Gnade nun hinter uns.“
Oder vielleicht auch nicht, wenn man den Aussagen israelischer Regierungsvertreter Glauben schenken darf. Für den russischen Präsidenten steht jedoch nach wie vor die Geoökonomie im Vordergrund. Auf dem Forum hob Putin die Präferenzabkommen der EAEU mit Vietnam, Singapur und Serbien sowie ein bevorstehendes Abkommen mit den Vereinigten Arabischen Emiraten hervor und erklärte: „Die für beide Seiten vorteilhaften Beziehungen zu Ländern in Eurasien, Afrika und Lateinamerika werden aktiv vorangetrieben.“ Ganz zu schweigen von der weiteren Zusammenarbeit mit den BRICS-Staaten, der Gemeinschaft Unabhängiger Staaten (GUS), der ASEAN, der Afrikanischen Union und natürlich der SCO.
Und gerade als die Minister Qingdao verließen, wurde es offiziell bestätigt: Der Iran hat das amerikanische GPS-System zugunsten des chinesischen Beidou-Systems aufgegeben. Das ist ein scharfer, mutiger Schachzug im Technologiekrieg. Der nächste Schritt: alle Su-35 und JC-10CE beschaffen.
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Quelle: The Cradle - Mit freundlicher Genehmigung übernommen - Die Übersetzung besorgte Andreas Mylaeus





































































